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OECD-Studie: Deutsche Patienten sind besonders oft im Krankenhaus

OECD-Studie: Deutsche Patienten sind besonders oft im Krankenhaus

Oft unnötig, aber lukrativ

Eine neue OECD-Studie zeigt: In Deutschland werden so viele Patienten im Krankenhaus behandelt wie in fast keinem anderen Industrieland. Zudem würde vor allem dort am ehesten unnötig operiert, wo es besonders lukrativ sei, warnt die Krankenkasse AOK. Der Ruf nach Reformen wird lauter.

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Eine neue OECD-Studie zeigt: Deutsche Patienten werden oft im Krankenhaus behandelt.
dpa, Friso Gentsch

Dementsprechend werden Deutschlands Patienten im internationalen Vergleich so oft in einer Klinik behandelt wie in fast keinem anderen Industrieland. Behandlungen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Einsetzen künstlicher Hüften kommen so oft pro Einwohner vor wie nirgends sonst. Bei Krebsbehandlungen und künstlichen Knien ist Deutschland wie in vielen anderen Bereichen in der Spitzengruppe. Das geht aus einer OECD-Erhebung für eine Konferenz zur Entwicklung der Klinik-Behandlungszahlen mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hervor. Nur in Österreich gibt es demnach noch mehr Klinikbehandlungen pro Kopf.

Die Krankenkasse AOK warnte, dass dort, wo es besonders lukrativ sei, am ehesten unnötig operiert werde. "Zunehmend berichten auch Patienten über ihre Unzufriedenheit und Erfahrungen mit fragwürdigen Eingriffen", sagte der geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbands, Uwe Deh. "Zwischen den Krankenhäusern herrscht außerordentliche Konkurrenz." Das dürfe nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.

Kliniken weisen Kritik von sich

Bahr aber löse keine strukturellen Probleme. "Nach der Bundestagswahl müssen Bund und Länder zu einer grundlegenden Krankenhausreform kommen", forderte Deh. Viele Kliniken seien auch wenig erfolgreich in der Behandlung. "Unsere Qualitätsmessungen zeigen, dass rund 20 Prozent der Kliniken schlecht abschneiden."

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warf Deh vor, in beschämender Weise an den Leistungen der Ärzte und Pflegekräfte in der stationären Patientenversorgung herumzunörgeln. Die Krankenkassen wollten ihren Überschuss in Höhe von rund 30 Milliarden Euro horten, sagte DKG-Präsident Alfred Dänzer. "Die Krankenhausausgaben sind gemessen an den Gesundheitsausgaben in Deutschland über die Jahre konstant geblieben."

Zugleich wird bei den Krankenhäusern die Aussagekraft der OECD-Erhebung für die Konferenz mit Bahr in Zweifel gezogen. So weise Deutschland trotz seines Spitzenplatzes im Niveau der Versorgung nur durchschnittliche Kosten auf, wenn man diese am Anteil der Krankenhausausgaben am Bruttoinlandsprodukt messe, heißt es in Kreisen der DKG.