OECD-Appell an Deutschland: Macht mehr für Arme und Kinder!

09. Dezember 2014 - 20:39 Uhr

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst weiter und ist heute größer als in den 80er-Jahren. Das prangert die Industriestaaten-Organisation OECD an – und fordert Deutschland auf, Familien mit Kindern und junge Menschen stärker zu unterstützen. Denn das sei auch gut für die Wirtschaft.

OECD: Kluft zwischen Arm und Reich wächst
Am Rande der Gesellschaft: Wenn die Eltern wenig Geld haben, wird es auch für die Kinder schwierig.
© deutsche presse agentur

Verdienten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung Mitte der 1980er-Jahre fünf Mal so

viel wie die ärmsten zehn Prozent, liege das Verhältnis heute bei 7:1, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Arbeitspapier. Die OECD fordert die Politik in diesem zum Gegensteuern auf.

"Unsere Analyse zeigt, dass wir nur auf starkes und dauerhaftes Wachstum zählen können, wenn wir der hohen und weiter wachsenden Ungleichheit etwas entgegensetzen", sagte Generalsekretär Angel Gurria. "Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken."

Kaum Bildungschancen für Kinder armer Familien

Denn die gestiegene Einkommensungleichheit hemme die wirtschaftliche Entwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland sei zwischen 1990 und 2010 inflationsbereinigt um etwa 26 Prozent gewachsen, so die OECD. Wäre die Ungleichheit auf dem Niveau von Mitte der achtziger Jahre verharrt, hätte das Plus um fast sechs Prozentpunkte höher ausfallen können. Dafür sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor allem einen Grund: Ärmere investieren in der Regel weniger in Bildung. Kinder aus sozial schwächeren Familien haben daher weniger Bildungschancen.

"Wachsen und gedeihen werden vor allem jene Länder, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben." Eine Umverteilung von oben nach unten mittels Steuern und Transfers sei nicht zwangsläufig wachstumsschädlich, solange entsprechende Maßnahmen zielgenau angewandt werden. Eine solche Verteilungspolitik müsse sich vor allem auf Familien mit Kindern sowie auf junge Menschen konzentrieren und deren Lernchancen verbessern.