Oberhaching: Ganzes Gräberfeld für muslimische Familie - Bürgermeister erteilt Absage

Grabsteine stehen auf einem muslimischen Gräberfeld (Symbolbild)
Grabsteine stehen auf einem muslimischen Gräberfeld (Symbolbild)
© deutsche presse agentur

07. Oktober 2017 - 11:08 Uhr

"Toleranz selbstverständliche Grundlage" - aber...

Eine muslimische Familie beansprucht in Bayern ein ganzes Gräberfeld für einen Angehörigen. Der Bürgermeister erteilt dem Ansinnen eine Absage. Jetzt gibt es Streit.

Alles Richtung Mekka - widerspricht offener Struktur des Friedhofs

Die Toleranz gegenüber anderen Konfessionen ist auf dem Friedhof in Oberhaching - so wie im Übrigen überall in Deutschland - laut Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) in der 'tz' eine selbstverständliche Grundlage. Dazu gehöre auch, dass es keine konfessionsgebundenen Grabfelder geben soll. Zwar seien Bestattungen mit eigenen, religionsspezifischen Ritualen erlaubt, sollten sie nicht gegen das Gesetz verstoßen. Ganze Bereiche für Andersgläubige seien aber tabu.

Die muslimische Familie in diesem Fall beanspruchte jedoch ein ganzes Gräberfeld. Alles sollte in Richtung Mekka ausgerichtet sein. Ein Vorhaben, dass dem Grundkonzept des Friedhofs in Oberhaching mit offener Struktur widerspreche, teilte der Haupt- und Finanzausschuss mit. Dass die Familie den Wunsch formulierte, keine 'Ungläubigen' in der Nähe bestatten zu lassen, machte die Konfrontation für Schelle umso schwieriger.

"Es gehört zur Religionsfreiheit, dass man die andere Religion neben sich toleriert"

Beim Termin im Bürgermeisterbüro soll die Familie laut 'tz' mit Hilfe eines muslimischen Bestatters einen gewissen Abstand gefordert haben. Ihr Argument: Es gebe ähnliche Anordnungen auf anderen Grabfeldern in München.

Oberbürgermeister Schelle blieb bei seinem Standpunkt. Sein Schlusswort: "Alleinansprüche auf Gräberfelder, das ist mit uns nicht zu machen. Es gehört zur Religionsfreiheit, dass man die andere Religion neben sich toleriert. Es muss ja auch der Christ tolerieren, dass neben ihm ein Muselmane liegt."