Obduktionsergebnisse von Covid-19-Opfern

Was uns die Corona-Toten sagen

Obduktionen geben wichtige Erkenntnisse über Todesursache- und hergang - auch bei Covid-19-Opfern.
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27. April 2020 - 11:46 Uhr

Wichtige Erkenntnisse zum Coronavirus durch Obduktionen

Obduktionen von Toten bringen Gewissheit über Todesursachen und weitere Erkrankungen. Der Epidemiologe Timo Ulrichs forderte im Gespräch mit RTL gerade erst mehr Obduktionen. Bei an Covid-19 Verstorbenen wurde auf Empfehlung des Robert Koch-Instituts zunächst weitestgehend darauf verzichtet - zum Schutz der Pathologen. Dabei können uns gerade diese wichtigen Erkenntnisse über das neuartige Coronavirus bringen. Forscher in Hamburg und Basel haben trotz anfänglicher Warnung des RKI Corona-Opfer obduziert - und nun erste Ergebnisse vorgestellt, wie NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung berichten.

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Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes

Wie die Untersuchungen der Verstorbenen ergaben, hatten alle in Basel obduzierten Corona-Patienten Vorerkrankungen. "Alle Untersuchten hatten Bluthochdruck. Ein Großteil der Patienten war auch schwer adipös, also deutlich übergewichtig", zitiert die Süddeutsche Zeitung den Leiter des Fachbereichs Autopsie am Uni-Spital in Basel Alexandar Tzankov. Zudem seien unter den Corona-Toten vorwiegend Männer gewesen. Zwei Drittel der Untersuchten wiesen vorgeschädigte Herzkranzgefäße auf, ein Drittel war an Diabetes erkrankt.

Die wenigsten Corona-Toten hatten eine Lungenentzündung

Überraschend ist aber vor allem eine Erkenntnis: "Die wenigsten Patienten hatten eine Lungenentzündung", erklärt Tzankov. "Sondern das, was wir unter dem Mikroskop gesehen haben, war eine schwere Störung der Mikrozirkulation der Lunge."

Konkret bedeutet das, dass der Prozess des Sauerstoffaustauschs nicht mehr funktioniert. Die bei vielen Corona-Patienten angewandte Beatmung ist damit zwecklos: "Man kann dem Patienten so viel Sauerstoff geben wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weiter transportiert", so der Pathologe.

Das Robert Koch-Institut hatte zuletzt bekannt gegeben, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht nur die Lunge, sondern deutlich mehr Organe wie Herz oder Niere befallen kann. Auch die Blutgerinnung könne betroffen sein.

Nicht alle Todesopfer starben am Coronavirus

Auch​ Hamburger Pathologen rund um den Rechtsmediziner Klaus Püschel obduzierten Corona-Opfer. Die hier getätigten Obduktionen bei 65 gestorbenen Patienten ergaben ebenfalls, dass alle Verstorbenen Vorerkrankungen hatten.

61 von ihnen seien an, die übrigen vier mit dem neuartigen Coronavirus gestorben, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Bericht des Institutsleiters. Das heißt, nicht bei allen Todesopfern, die an Covid-19 erkrankten, war das Virus auch die Todesursache.

Die Verstorbenen litten vor allem an Bluthochdruck, Herzinfarkten, Arteriosklerose oder Herzschwäche. In 46 Fällen hätten zudem Vorerkrankungen der Lunge vorgelegen, 28 hätten andere Organschäden oder transplantierte Organe gehabt. Zehn der Obduzierten hatten Diabetes oder schweres Übergewicht, ebenfalls zehn eine Krebserkrankung und 16 litten an Demenz.

Mittlerweile sei die Zahl der in Hamburg obduzierten Covid-19-Opfer laut Püschel auf mehr als 100 gestiegen.

AUDIO NOW-Podcast: Wir und Corona

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.