„Viele Bürger fragen sich, ob sie in Görlitz bleiben wollen“

OB-Wahl in Görlitz: AfD hofft auf Sieg - CDU-Kandidat fürchtet um Zukunft der Stadt

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14. Juni 2019 - 17:47 Uhr

Von Philipp Sandmann

Bekommt Deutschland seinen ersten AfD-Oberbürgermeister? Am kommenden Sonntag gibt es in Görlitz eine Stichwahl zwischen Sebastian Wippel (AfD) und Octavian Ursu (CDU). Im Interview mit RTL.de sagt Ursu, dass sich viele Bürger in Görlitz Sorgen machen, dass der AfD-Kandidat Wippel gewinnen könnte. "Ich sehe die Attraktivität der Stadt gefährdet. Die AfD steht für die Abschottung der Stadt nach außen."

CDU-Kandidat schließt nicht aus, mit der AfD zusammen zu arbeiten

Sebastian Wippel of Alternative for Germany (AfD) during local elections campaign on the Marienplatz in Goerlitz, Germany, June 11, 2019.  REUTERS/Pawel Sosnowski
Sebastian Wippel will Deutschlands erster AfD-Oberbürgermeister werden.
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Der gebürtige Rumäne schließe zwar nicht aus, auch mit der AfD zusammenzuarbeiten, allerdings: "Ich werde mir meine Mehrheit woanders suchen. Das ist der Unterschied: Ich bin mehrheitsfähig, die AfD nicht. Das müssen sie auch so lernen, dass Demokratie so funktioniert, mit Kompromissen und Koalitionen." Ursu kritisiert zudem, dass die AfD bewusst falsche Informationen im Wahlkampf gestreut habe: "Die AfD macht Wahlkampf für Sebastian Wippel mit dem Satz 'Ein Görlitzer'. Das heißt im Umkehrschluss, dass sie mich nicht als einen Görlitzer betrachten." Aber: "Ich habe diese Art Wahlkampf von der AfD erwartet, das ist keine Überraschung."

„Ich habe keine Angst vor der Zukunft“

Wahlplakate von Octavian Ursu (CDU) und Sebastian Wippel (AfD), aufgenommen in Goerlitz, 12.06.2019. Ursu (CDU) tritt gegen Wippel (AfD) in einer Stichwahl um das Amt des Oberbuergermeisters an. Bei der ersten Wahl am 26. Mai 2019 erlangte Wippel 36,
Wahlplakate von Octavian Ursu (CDU) und Sebastian Wippel (AfD)
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Für den Fall, dass Ursu die Wahl nicht gewinnen sollte, sagt er: "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, ich habe in meinem Leben schon viel erlebt." Ursu sitzt im Görlitzer Stadtrat und seit 2014 für die CDU im sächsischen Landtag. Im ersten Wahlgang der Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Görlitz bekam Ursu 30,3 Prozent der Stimmen. AfD-Kandidat Sebastian Wippel bekam 36,4 Prozent.

Dennoch ist Wippels Sieg nicht sicher. Da die beiden in Runde eins unterlegenen Kandidatinnen Franziska Schubert von den Grünen (27,9) und Jana Lübeck von den Linken (5,5) nicht mehr antreten, werden die Karten neu gemischt. Einige ihrer Wähler dürften ins Lager von Ursu abwandern. Beide Politikerinnen hatten deutlich gemacht, dass sie AfD-Mann Wippel verhindern wollen.

Bei den Europawahlen am 26. Mai, die in vielen Bundesländern mit Kommunalwahlen gekoppelt waren, hatte die AfD im Osten stark zugelegt. In Brandenburg und Sachsen lag sie beim Votum zum EU-Parlament sogar noch vor der CDU. Deshalb wird mit Spannung erwartet, ob der Trend so weitergeht und die AfD auch bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen am 1. September stärkste Kraft wird. Thüringen wählt Ende Oktober ein neues Parlament.