Nur jede 4. Führungskraft ist eine Frau

Die Chefetage ist nach wie vor männlich
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01. März 2012 - 14:19 Uhr

Institut: "Schlecht für die Wirtschaft"

Frauen machen die besseren Abschlüsse, haben mehr Auslandsaufenthalte während des Studiums und trotzdem bleiben die Top-Jobs in der deutschen Wirtschaft für viele Frauen außer Reichweite. Nur jede vierte Führungskraft ist eine Frau.

Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stagnierte der Frauenanteil unter den Führungskräften von 2006 bis 2008 bei 27 Prozent, obwohl die Hälfte der Angestellten weiblich sei. 2001 hatte der Anteil bei 22 Prozent gelegen.

Noch immer führe die Familiengründung nach wie vor häufiger zum Karriereknick als bei Männern, so das Institut.

"Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch schlecht für die Wirtschaft", kommentierte DIW-Präsident Klaus Zimmermann die Untersuchung auf Grundlage einer Langzeitbefragung von 11.000 Haushalten in Deutschland. "Denn jede Frau, die beruflich nicht in die Position kommt, für die sie qualifiziert ist, kostet uns Wachstum."

Frauen in Chef-Etagen häufig unverheiratet und kinderlos

Das Institut fasst den Führungskräfte-Begriff schon recht weit und bezieht auch hochqualifizierte Fachkräfte ein, dennoch: Männer dominieren auf allen Führungsebenen - je höher, desto stärker. Dabei hätten Frauen bei der Qualifikation deutlich aufgeholt.

Mit Hausarbeit und Kindererziehung ließen sich die langen Wochenarbeitszeiten von Führungskräften aber kaum vereinbaren, und auch in Top-Positionen seien es nach wie vor die Frauen, die mehr Familienarbeit übernähmen als Männer. Ergebnis: Frauen in Chef-Etagen bleiben laut DIW häufiger unverheiratet und kinderlos als ihre männlichen Kollegen.

Auch beim Gehalt bleiben Frauen nach wie vor hinter den Männern. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat kürzlich die Einstiegsgehälter von Frauen und Männern untersucht. Die Frauen bekamen ein um durchschnittlich acht Prozent geringeres Einstiegsgehalt als männliche Absolventen. "Im Mittel verdienen die Frauen so schon beim Berufseinstieg pro Jahr rund 3000 Euro weniger als die Männer", fanden die Forscherinnen Kirsten Wüst und Brigitte Burkart heraus.