Keine neuen Einschränkungen

Frankfurter Virologe kritisiert lasches Vorgehen der Bundesregierung

Virologe Martin Stürmer
Virologe Martin Stürmer
© dpa, privat, rho

17. November 2020 - 11:08 Uhr

Keine neuen Einschränkungen - Regierung appelliert nur an die Bevölkerung

Vertrauen ist gut – Kontrolle besser, besagt ein altes Sprichwort. Die Bundesregierung hingegen scheint sich vorerst gegen strengere Kontrollmaßnahmen ausgesagt zu haben, um die Pandemie einzudämmen. Stattdessen appelliert sie an die Vernunft der Bürger. Kann das klappen? Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sagt: nein.

Virologe Martin Stürmer: Zeit der Freiwilligkeit ist abgelaufen

"Jede Woche, die wir verschenken, werden wir etwa bei der Belegung der Intensivbetten spüren", sagte Virologe Martin Stürmer in Wiesbaden. Bund und Länder hatten sich am Montag darauf verständigt, für die nächsten Tage erst einmal keine weiteren Verbote und verbindlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu erlassen. Auch die Schulen sollen weiter geöffnet bleiben.

Er frage sich, warum angesichts der aktuellen Infektionszahlen nicht schon diese Woche strengere Vorgaben auf den Weg gebracht wurden, sagte Stürmer. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Gesetzgeber mehr unternimmt, um private Kontakte zu beschränken", sagte Stürmer. Die Zeit der Appelle und der Freiwilligkeit sei abgelaufen. "Dies ist mehr ein verzweifelter Versuch der Politik, um härtere Beschlüsse herumzukommen", sagte er.

Testlauf bis zum 25. November

Nach einer Video-Konferenz riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten die Bürger am Montagabend dringend dazu auf, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren. Die Regierung will die Infektionszahlen in den kommenden Tagen weiter im Blick behalten. Am 25. November soll es dann weitere Beratungen und - wenn die Zahl der Infizierten und schwer Erkrankten bis dahin nicht stark gesunken ist - womöglich auch weitere rechtlich bindende Einschränkungen geben.

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Die Bundesregierung bittet die Bevölkerung konkret darum, im Falle auftretender Symptome zuhause zu bleiben, auf private Feiern und Reisen zu verzichen und besonders im Kontakt mit Risikopatienten und älteren Mitbürgern Vorsicht walten zu lassen. Neue Verbote gab es dafür vorerst nicht.

Quelle: DPA / rtl.de