„Ich lasse es nicht an mich ran“

Nürnberger Christkind Benigna Munsi (17) steht über Hass in AfD-Post

Wahl des neuen Nürnberger Christkinds: Benigna Munsi
Wahl des neuen Nürnberger Christkinds: Benigna Munsi
© dpa, Daniel Karmann, dka cul

02. November 2019 - 16:34 Uhr

Füße hoch, Hass kommt flach: Benigna Munsis Jubelsprung nach Christkind-Wahl

Das Nürnberger Christkind für die nächsten zwei Jahre heißt Benigna Munsi. Die 17-jährige Nürnbergerin geriet direkt nach ihrer Wahl wegen eines Hass-Tweets eines AfD-Kreisvereins in die Schlagzeilen. Der "AfD Kreisverband München-Land" schrieb am Donnerstag zu einem Foto der jungen Frau: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen." Die offensichtliche Anspielung auf die Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner lässt die Tochter eines Deutschen indischer Herkunft und einer Deutschen kalt. In den sozialen Netzwerken bekommt sie viel Zuspruch, der AfD-Kreisverband hat den viel kritisierten Text bei Facebook inzwischen gelöscht.

Benigna Munsi: „Ich lasse es nicht an mich ran“

Benigna Munsis wichtigste Aufgabe als Christkind wird es sein, am 29. November den weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt zu eröffnen. Die Vorfreude darauf lässt sich die 17-Jährige nicht nehmen. Sie habe den Hass-Post gesehen, sagt sie der Bild-Zeitung: "Ich lasse es nicht an mich ran." Das Christkind steht über kruden Anfeindungen.

Bayerische Spitzenpolitiker und viele Internetnutzer stellten sich vor die 17-Jährige. "Hier begegnet uns die hämische Fratze des Rassismus, den die AfD als ihre Geisteshaltung immer gerne leugnen möchte", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verurteilte bei Twitter ein schäbiges Verhalten einzelner AfD-Funktionäre.

Im Video: AfD hetzt zu Weihnachten

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner postete in der vergangenen Woche das Foto eines Adventskalenders. Im Bild sah es aus, als sei das Wort Adventskalender auf der Verpackung bewusst vermieden worden. So wollte er provozieren und Aufmerksamkeit erregen, wie er im RTL-Interview offen zugab.

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AfD Nürnberg distanziert sich - Kreisverband löscht Post

Auch die AfD Nürnberg distanzierte sich auf Facebook von dem viel kritisierten Facebook-Post der Kollegen aus München-Land. Sie sei davon überzeugt, dass Munsi die Ehre ihres Amtes mit Stolz tragen werde. "Deshalb ist es uns an dieser Stelle egal, ob das Christkind einen Migrationshintergrund hat oder nicht", so die AfD Nürnberg. Ein Satz, über dessen Sinnhaftigkeit bibeltreue Anhänger der im Text propagierten "christlich-abendländischen Werte" länger grübeln könnten.

Der AfD-Kreisverband löschte den umstrittenen Christkind-Post inzwischen und entschuldigte sich. Die Kreisvorsitzende München-Land Christina Specht sagte, der Kommentar entspreche nicht den Werten der AfD. Er sei von einem Redakteur eigenmächtig gepostet worden, der inzwischen zurückgetreten sei, behauptete sie. Als Konsequenz aus dem Posting gelte nun im Kreisverband bei Kommentaren in sozialen Netzwerken ab sofort das Vier-Augen-Prinzip.