Nürnberg: Nazis zünden Flüchtlingshäuser an

16. Dezember 2014 - 12:44 Uhr

Staatsschutz ermittelt wegen Brandstiftung

Drei geplante Flüchtlingsunterkünfte haben in der Nacht auf Freitag nahe Nürnberg gebrannt. An einem der Gebäude im mittelfränkischen Vorra wurden Hakenkreuze und andere fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt. Der Staatsschutz ermittelt. Was in Bayern geschah, ruft schlimme Erinnerungen wach. Schon früher brannten in Deutschland Ausländerwohnheime. Für die Polizei gibt es kaum Zweifel am rechtsextremen Hintergrund der Taten in dem beliebten Ausflugsort.

Nürnberg: Nazis zünden Flüchtlingshäuser an
Auch Nazi-Schmierereien wurden im Vorra hinterlassen.
© dpa, Daniel Karmann

"Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt", sagte Polizeisprecher Robert Sandmann. Die Ermittler suchen nun nach Spuren und Zeugen. Bisher gebe es keine Hinweise auf den oder die Täter. Eine leerstehende Gaststätte, eine Scheune und ein leerstehendes Wohnhaus waren gegen 22.45 Uhr in Brand geraten. Sie waren umgebaut und renoviert worden und sollten nach einem Beschluss der Regierung von Mittelfranken demnächst Flüchtlingen als Unterkunft dienen.

Eine Anwohnerin hatte den Brand in der Gaststätte entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Aus den Fenstern quoll starker Rauch. Kurze Zeit später wurde bemerkt, dass auch die anderen Gebäude in Flammen standen. Es gelang der Feuerwehr rasch, die Brände zu löschen. Rund 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Einer von ihnen erlitt leichte Verletzungen. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf etwa 700.000 Euro. Die Häuser sind unbewohnbar.

Anwohner entsetzt: "Haben uns auf die Asylbewerber gefreut"

Viele Anwohner zeigten sich entsetzt. "Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut", sagte eine Frau. "Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen." In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf extra ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude endlich saniert und für die Flüchtlinge hergerichtet worden seien.

Bürgermeister Volker Herzog (SPD) beteuert, dass es "keine rechten Umtriebe" in Vorra gebe – und verweist auf die große Offenheit vieler Bürger gegenüber den erwarteten Ausländern. Noch am vorletzten Wochenende hätten sich viele Bürger bei einem "Tag der offenen Tür" ein Bild von den frisch renovierten, fast bezugsfertigen Unterkünften gemacht. Erst auf Nachfrage kommt das Gemeindeoberhaupt auf die "Clique" zu sprechen, die sich seit zwei oder drei Jahren in einem Wochenendhaus am Waldrand oberhalb von Vorra gelegentlich trifft und "dort ihre Lieder singt". Da es Hinweise gebe, dass sie dem rechtsextremen Spektrum angehöre, stehe die Gruppe seit längerer Zeit unter Beobachtung der Polizei, berichtet Herzog.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Sicherheitsmaßnahmen von Flüchtlingsheimen verschärfen. "Entscheidend wird (...) sein, dass wir auf jeden Fall sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in Bayern noch verstärken", sagte er. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer verurteilte die mutmaßliche Brandstiftung als "schändliche Tat". "Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft", verdeutlichte er. "Die Menschen in Bayern lassen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus dieser Tat sprechen, nicht beirren." Bayern zeichne sich aus durch die Hilfsbereitschaft und Unterstützung der Bürger "für diejenigen, die im Freistaat Schutz vor Krieg und Verfolgung und Obhut in Frieden suchen".

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hat den mutmaßlichen Brandanschlag verurteilt. "Wir können nur mit aller Entschlossenheit der anständigen Menschen reagieren", sagte er. "Wir werden uns nicht von Brandstiftern jeder Couleur in Angststrategien jagen lassen, sondern es wird unsere Entschlossenheit fördern, eine Politik zu gestalten, die auf unseren humanen Werten beruht."

Die Bundesregierung hat ebenfalls beunruhigt reagiert. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass dahinter ein fremdenfeindlicher Hintergrund stecke, dann seien dies abscheuliche Taten, die aufs Schärfste zu verurteilen seien, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz. Mit Blick auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland erklärte sie, dies müsse man mit großer Sorge beobachten. Alle zuständigen Stellen seien aufgefordert, diesen Vorfällen nachzugehen.