NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben aus Gefängnis entlassen

18. Juli 2018 - 11:34 Uhr

Haftbefehl aufgehoben

Wie erwartet ist der Waffenbeschaffer für den "Nationalsozialistischen Untergrund", Ralf Wohlleben, aus dem Gefängnis entlassen worden. Er verließ die Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München, sagte eine Sprecherin des Gefängnisses. Der Haftbefehl gegen den 43-Jährigen sei aufgehoben worden. Wo Wohlleben sich nach seiner Entlassung befindet, sei dem Gericht nicht bekannt.

Schuldig wegen Beihilfe zum Mord

Im NSU-Prozess (lesen Sie hier, welche Fragen nach dem Urteil offenbleiben) war Wohlleben am Mittwoch vergangener Woche zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor saß er bereits sechs Jahre und acht Monate in Untersuchungshaft. Das heißt, er hätte höchstens noch drei Jahre und vier Monate im Gefängnis verbüßen müssen. Mit der Entscheidung ihn aus dem Gefängnis zu entlassen folgte das Gericht der Einschätzung des Generalbundesanwalts in Karlsruhe, der eine Gefängnisstrafe für Wohlleben für nicht mehr erforderlich hielt.

Das Oberlandesgericht hatte Wohlleben der Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen. Die Bundesanwaltschaft hatte dem ehemaligen NPD-Funktionär vorgeworfen, die NSU-Mordwaffe vom Typ "Ceska" organisiert zu haben - und er habe gewusst, wofür die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sie benutzen wollten. Wohlleben hatte das stets bestritten.

Er habe dem eigentlichen Überbringer der Waffe nur auf Nachfrage einen Tipp gegeben. Die Anklage hatte für Wohlleben zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen gefordert. Seine Verteidiger bezeichneten ihn als unschuldig und forderten Freispruch. Sie wollen das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen.

Sehen Sie zu diesem Thema auch unser Video zur Urteilsverkündung gegen Beate Zschäpe, Rolf Wohlleben und drei weitere Terrorhelfer.

Quelle: DPA / RTL.de