NSU-Terrorzelle: Zschäpe wollte offenbar aussagen

31. März 2013 - 11:38 Uhr

Überlegung zu Anwaltswechsel

Seit über einem Jahr sitzt die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe bereits in Untersuchungshaft. Bisher schweigt sie beharrlich – zumindest offiziell. Doch jetzt wurde bekannt, dass Zschäpe vor der Anklageerhebung offenbar aussagebereit gewesen wäre und einen Wechsel ihrer Anwälte erwogen habe. Dies berichtet die 'Bild'-Zeitung unter Berufung auf ein ihr vorliegendes zwölfseitiges Gesprächsprotokoll.

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Beate Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Terrortrios. Offenbar war sie vor der Anklageerhebung bereit auszusagen, doch ihre Anwälte rieten ihr davon ab.
© dpa, Frank Doebert

Die in Köln inhaftierte 37-Jährige soll auf einem Gefangenentransport am 25. Juni diesen Jahres den Begleitern vom Bundeskriminalamt gesagt haben, dass sie sich nach der Aufdeckung der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gestellt habe, um auch auszusagen. Allerdings hätten ihr die Anwälte davon abgeraten, sich umfangreich und vollständig über die Verbrechen der NSU und ihre Beteiligung zu äußern. Damals war Zschäpe zu einem Besuchstermin von der JVA Köln in das Geraer Gefängnis (Thüringen) gebracht worden, um ihre Mutter und Großmutter zu treffen. Die während der Fahrt geführten Gespräche sollen mehr als acht Stunden gedauert haben.

Zudem beschrieben die BKA-Ermittler nach Informationen des Blatts Zschäpes Verhältnis zu ihren Anwälten als "nachhaltig gestört". Dementsprechend hätte die mutmaßliche Terroristin erwogen, die Verteidiger zu wechseln und ihre Mutter gebeten, nach Alternativen Ausschau zu halten.

Anwälte dementieren Äußerungen Zschäpes

Indes haben Zschäpes Anwälte bestritten, dass sich ihre Mandantin während des Gefangenentransportes gegenüber BKA-Beamten zu ihrem Fall geäußert hat. Der Vermerk, auf den sich das Blatt beziehe, beinhalte zwar eine grobe Zusammenfassung eines Gesprächs zwischen BKA-Beamten und Zschäpe, diese habe darin aber "keine Äußerungen zur Sache abgegeben", hieß es in einer Stellungnahme der Kanzlei. Sie werde weder in der anstehenden Hauptverhandlung in München noch im Vorfeld Erklärungen zur Sache abgeben.

Zschäpes Anwältin Anja Sturm nannte die 'Bild-Darstellung' "eine unzutreffende Zusammenfassung eines Vermerks des BKA, welcher zudem mehrere Monate alt ist". Auch ein weiterer der insgesamt drei Verteidiger bezeichnete den Bericht als "lange überholt". Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft wollten sich zu dem Artikel nicht äußern, auch die Existenz des BKA-Gesprächsprotokolls wurde nicht bestätigt.

Zuvor war bekannt geworden, dass Zschäpe laut den jüngsten Angaben ihrer Anwälte vor Gericht weiter schweigen werde. Sie seien sich mit ihr einig, dass sie keine Angaben zur Sache machen werde, sagten ihre Verteidiger der 'Süddeutschen Zeitung'. "Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden", betonte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer. Auch Sturm bestätigte, dass die 37-Jährige gegenwärtig nicht aussagen wird. Ob diese Ankündigung für die gesamte Dauer des Prozesses Bestand haben werde, stehe allerdings nicht fest.

Die Bundesanwaltschaft hat Zschäpe Anfang November der Mittäterschaft an der Mord- und Anschlagsserie sowie den Banküberfällen des NSU angeklagt.