NSU-Prozess: Opfer-Anwälte fordern Untersuchungsausschuss in Hamburg

17. Mai 2014 - 10:59 Uhr

Die Nebenklägervertreter der Familie des mutmaßlich von der NSU-Terrorgruppe in Hamburg ermordeten Süleyman Tasköprü haben von der Bürgerschaft einen Untersuchungsausschuss gefordert. Aus Anlass des inzwischen ein Jahr dauernden Münchner Prozesses unter anderem gegen die mutmaßliche Terrorhelferin Beate Zschäpe erklärte Anwältin Gül Pinar: "Wir fordern eine weitergehende und umfassende Aufklärung, eine Befassung lediglich durch den Kontrollausschuss ist unzureichend."

Bisher sei nur öffentlich gemacht worden, was bereits durch die Presse recherchiert wurde. Der SPD-Senat hatte Ende April einen fast 90 Seiten langen Bericht zur NSU-Mordserie vorgelegt, in dem der Fall aus seiner Sicht umfangreich aufgearbeitet worden ist. "Die Nebenklagevertreter der Familie Tasköprü teilen die Ansicht des Hamburger Senats nicht. Es gibt in Hamburg Handlungs- und Ermittlungsbedarf", betonte Pinar. Der Senatsbericht sei unbefriedigend. "Die Versäumnisse und Fehler der Hamburger Behörden würden keineswegs aufgeklärt." Nach wie vor seien Informationen geheim, stünden den Abgeordneten nicht zur Verfügung. Dabei zeichne sich ab, dass es Kontakte des mutmaßlichen Terrortrios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Zschäpe nach Hamburg und zu Hamburger Neonazis gegeben habe.

Tasköprü war am 27. Juni 2001 laut Anklage im Alter von 31 Jahren von Mundlos und Böhnhardt im Lebensmittelgeschäft seines Vaters erschossen worden. Die Terrorgruppe 'Nationalsozialistischer Untergrund' (NSU) soll zwischen 2000 und 2007 zehn Morde begangen haben. Im Gedenken an Tasköprü wird am 26. Juni ein Teilstück der Kohlentwiete im Stadtteil Bahrenfeld in Tasköprüstraße umbenannt.