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NSU-Prozess geht in die nächste Runde: Beate Zschäpes Verteidiger kündigen Revision an

Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt
Beate Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt Urteil im NSU-Prozess 01:22

Beate Zschäpes Anwälte wollen in Revision gehen

Das Urteil im Münchner NSU-Prozess muss noch vom Bundesgerichtshof überprüft werden. Nach der Verurteilung von Beate Zschäpe wegen Mordes kündigte deren Verteidiger Wolfgang Heer an, Revision einzulegen. Das Oberlandesgericht München sprach die Angeklagte wegen zehnfachen Mordes schuldig und verurteilte sie zu zehn Jahren Haft. Die Richter stellten zudem eine besondere Schwere der Schuld fest. 

"Verurteilung ist nicht tragfähig begründbar"

Mit dem Urteilsspruch folgte das Gericht dem Antrag der Bundesanwaltschaft und verurteilte Zschäpe als Mittäterin an den Morden und Anschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Der aufwändige Prozess zog sich über fünf Jahre. Bis eine endgültige Entscheidung gefallen ist, wird es jetzt wohl noch länger dauern. 

"Die Verurteilung Frau Zschäpes wegen Mittäterschaft an den von Böhnhardt und Mundlos begangenen Morden und Raubstraftaten ist nicht tragfähig begründbar. Wir werden gegen das Urteil Revision einlegen", kündigte Heer in einer Verhandlungspause mit. Die Verteidigung hatte gefordert, Zschäpe nur wegen Brandstiftung zu verurteilen. Sie sei weder eine Möderin noch eine Attentäterin, erklärten ihre Anwälte im Schlussplädoyer. 

War Zschäpe an den Morden beteiligt oder nicht?

Urteil gegen Beate Zschäpe gefallen
Das Oberlandesgericht München verurteilte Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft. © dpa, Peter Kneffel, kne jhe

Zschäpe hatte fast 14 Jahre lang mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Geschäftsleute türkischer oder griechischer Herkunft und eine deutsche Polizistin. Zudem verübten sie zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Zschäpe selbst hatte schriftlich erklärt, sie habe von den Morden und Anschlägen ihrer Freunde immer erst im Nachhinein erfahren.

Zwar gibt es keinen Beweis, dass Zschäpe an einem der Tatorte war. Die Anklage hatte Zschäpe allerdings eine maßgebliche Rolle bei der Tarnung des Trios zugeschrieben und argumentiert, Zschäpe habe "alles gewusst, alles mitgetragen und auf ihre eigene Art mitgesteuert und mit bewirkt". Dieser Argumentation folgte das Gericht mit seinem Urteil.

Auch Nebenklage denkt über Revision nach

Auch die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben kündigten an, in Revision zu gehen. Wohlleben war wegen Beihilfe zum Mord zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte die Waffe beschafft, mit der die Rechtsterroristen ihre Morde begingen. 

Die Nebenklage prüft noch, in Revision zu gehen. Die Urteile gegen die NSU-Helfer Ralf Wohlleben und André E. seien "nach unserem Dafürhalten sehr, sehr milde", sagte Anwalt Mehmet Daimagüler dem "Bayerischen Rundfunk". "Die werden wir uns mal anschauen", kündigte er an. Das Münchner Oberlandesgericht hatte Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord zu zehn Jahren Haft verurteilt, André E. wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu zwei Jahren und sechs Monaten.

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