NSU-Prozess: Beate Zschäpes sofortige Freilassung gefordert

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5. Juni 2018 - 12:38 Uhr

Pflichtverteidiger fordern Freispruch für Beate Zschäpe

Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe fordern die sofortige Freilassung der mutmaßlichen Rechtsterroristin. Die heute 43-Jährige sei vom Vorwurf freizusprechen, die angeklagten Morde und Anschläge begangen zu haben. Sie könne lediglich wegen einfacher Brandstiftung verurteilt werden, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer am Dienstag in seinem Plädoyer im Münchner NSU-Prozess.

"Beate Zschäpe ist keine Terroristin"

Zschäpes Vertrauensanwälte Mathias Grasel und Hermann Borchert hatten dagegen eine maximal zehnjährige Haftstrafe gefordert, wegen besonders schwerer Brandstiftung und Beihilfe zu Raubüberfällen.

"Beate Zschäpe ist keine Terroristin, sie ist keine Mörderin und keine Attentäterin", sagte Heer. Sie habe keine Morde geplant, keine Waffen beschafft, an den Taten insgesamt nicht mitgewirkt und die Verbrechen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt "auch nicht vom Küchentisch gesteuert". Zschäpe sei deshalb in allen Fällen vom Vorwurf freizusprechen, die angeklagten Staatsschutzverbrechen begangen zu haben.

Zu verurteilen sei sie lediglich wegen der Brandlegung in der letzten Fluchtwohnung in Zwickau, und zwar wegen einfacher Brandstiftung. "Dies ist alles, was von der Anklage des Generalbundesanwalts übrig bleibt", sagte Heer.

Zwei Verteidiger-Teams vertreten Beate Zschäpe

Eine konkrete Strafmaß-Forderung nannte Heer nicht. Er argumentierte aber, die maximal mögliche Strafe sei mit der mehr als sechsjährigen Untersuchungshaft abgegolten.

Mit ihren ursprünglichen Pflichtverteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm hatte sich Zschäpe schon vor längerem überworfen. Eine Entpflichtung der drei lehnte das Oberlandesgericht aber mehrmals ab. Deshalb wird Zschäpe sozusagen von zwei Verteidiger-Teams vertreten. Das Plädoyer von Heer, Stahl und Sturm soll nun mehrere Tage dauern.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Zschäpe lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Nach Überzeugung der Anklage war Zschäpe eines von drei gleichberechtigten Mitgliedern der Terrorzelle 'Nationalsozialistischer Untergrund' (NSU) und sollte deshalb als Mittäterin bei sämtlichen Verbrechen der Gruppe bestraft werden. Dazu zählen zehn Morde - neun davon aus rassistischen Motiven, einer an einer deutschen Polizistin - sowie zwei Bombenanschläge.