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NSA-Informant: 61.000 Hacker-Angriffe

NSA-Informant: 61.000 Hacker-Angriffe

Der US-Geheimdienst soll weltweit 61.000 Mal Computernetze angezapft haben.
Laut NSA-Informant Edward Snowden soll der US-Geheimdienst 61.000 Mal Computernetze angezapft haben.
REUTERS, JASON LEE

FBI ermittelt gegen "Verantwortlichen"

Ganze 61.000 Mal könnte der US-Geheimdienst weltweit Computernetze angezapft haben. Informant Edward Snowden, welcher Medien Informationen über das US-Abhörprogramm 'Prism' zugespielt hatte, sagte der Hongkonger Zeitung 'South China Morning Post', dass sich die USA Zugriff auf Internetknoten verschaffen und so die Kommunikation zwischen Hunderttausenden Computern abfangen könnten, ohne sich in jeden Rechner hacken zu müssen.

Der frühere CIA-Mitarbeiter, der sich in der chinesischen Millionenstadt versteckt hält, sagte, dass die NSA (National Security Agency) seit dem Jahr 2009 Computer in Hongkong und auf dem chinesischen Festland angreife. Ein Ziel der Hacker-Aktionen war demnach die chinesische Universität Hongkong, die seit den 90er Jahren einen wichtigen Internetknoten betreibt. Die Hochschule erklärte, man habe keine Anzeichen dafür, dass jemand in den Verteiler eingedrungen sei. Neben Universitäten seien laut Snowden auch Unternehmen und öffentliche Funktionsträger Ziele gewesen.

China hat demonstrativ auf Kritik an den USA wegen der jüngsten Bespitzelungs- und Hacker-Vorwürfe verzichtet. Man habe von den Vorwürfen Kenntnis, äußere sich aber nicht dazu, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Sie wollte sich auch nicht dazu äußern, ob Snowden an die USA ausgeliefert werden oder aber Asyl in Hongkong erhalten könnte. In Regierungskreisen hieß es, China wolle die sich gerade wieder aufhellenden Beziehungen zu den USA nicht belasten.

Das FBI "unternimmt alle notwendigen Schritte, um die Person hinter den Enthüllungen zur Verantwortung zu ziehen", sagte indes FBI-Direktor Robert Mueller bei einer Kongressanhörung in Washington. Beim Namen nannte er Snowden allerdings nicht, sondern er sprach von Untersuchungen gegen ein "Individuum, das zugegeben hat, die Enthüllungen getätigt zu haben".

"Wir tun das Richtige, um amerikanische Bürger zu beschützen"

Der Chef der US-Spionagebehörde NSA Keith Alexander verteidigte die umstrittenen Datensammelprogramme, da sie "Dutzende" Terrorattacken im In- und Ausland verhindert hätten. Eine davon sei der geplante Anschlag von drei Islamisten auf die New Yorker U-Bahn im September 2009. Das Trio war aber einen Tag vor der Ausführung aufgeflogen. Alexander nannte in diesem Zusammenhang den Namen Najibullah Zazi, der einer der Verschwörer war. Der NSA-Chef erwähnte außerdem David Headley, der wegen seiner Beteiligung an der Terrorattacke in Mumbai 2008 in einem US-Gefängnis sitzt. "Ich glaube, wir tun hier das Richtige, um die amerikanischen Bürger zu beschützen", sagte Alexander.

So habe der Geheimdienst stets eine Balance zwischen dem Recht auf Privatsphäre und den Sicherheitsinteressen des Staates nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Blick gehabt. "Das amerikanische Volk soll wissen, dass wir versuchen, transparent zu sein und die zivilen Freiheitsrechte und die Privatsphäre zu schützen, aber auch die Sicherheit dieses Landes zu bewahren", so Alexander.

Die NSA steht im Mittelpunkt von gleich zwei US-Spionageskandalen: Dabei geht es um das Sammeln von Daten aus Telefonaten von Millionen Kunden der US-Gesellschaft Verizon und den massiven Zugriff auf Server von Internetfirmen. Vor allem die Internetspionage hat auch im Ausland scharfe Kritik ausgelöst, so auch in Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel will das Thema beim Besuch von US-Präsident Barack Obama in der kommenden Woche in Berlin ansprechen.