Kritik am NRW-Vorstoß wächst

Verlängerte Weihnachtsferien: „Für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft“

13. November 2020 - 11:36 Uhr

Es ist alles eine Frage der Betreuung...

Längere Weihnachtsferien! Man könnte meinen, darüber würden sich alle freuen. Doch die Entscheidung der NRW-Regierung die Ferien nach vorne hin zu verlängern, um ein corona-sichereres Weihnachten zu ermöglichen, stößt auf Kritik. Und dabei geht es vor allem um die Frage der Betreuung….

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"Nur dann sinnvoll, wenn Betreuung gesichert ist"

Eltern, die am 21. und 22. noch arbeiten müssen, hätten ein Problem, meint die Lehrergewerkschaft GEW. "Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein", sagte dazu die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern.

Nicola Stroop, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, wurde noch deutlicher: "Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, die Weihnachtsferien vorzuverlegen, ist für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft." Stroop forderte: "Schließungen von Schulen müssen strukturell kompensiert werden, entweder durch einen gesetzlichen Anspruch auf Notbetreuung oder durch finanzielle Ausgleichszahlungen wie ein Corona-Elterngeld."

Andere Bundesländer könnten nachziehen

ARCHIV - 19.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, trägt einen Nasen-Mundschutz bei ihrem Besuch der Realschule Benzenberg. (zu dpa «Politiker-Appell an Regierung: Klassenteilung erlau
Nordrhein-Westfalens Schulministerin Gebauer
© dpa, Federico Gambarini, fg bsc fg sab abl

Lehrerverbände äußerten sich kritisch. "Diese Idee ist nicht dienlich", sagte die Vorsitzende des Philologenverbands, Sabine Mistler, der "Rheinischen Post." Wichtig sei aus ihrer Sicht vor allem, dass insbesondere Oberstufenschüler noch ihre Klausuren schreiben könnten, da es in der jetzigen Situation kaum eine Verschiebemöglichkeit gebe.

Nach Ansicht des Präsidenten des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbandes, Andreas Bartsch, ist die Entscheidung verfrüht. "Je nach Infektionslage sollten dann Virologen beurteilen, ob dies sinnvoll ist", sagte er der "Rheinischen Post". Zudem sei nicht sicher, ob sich die Schüler in dieser Zeit in Quarantäne begeben.

NRW-Schulminister Yvonne Gebauer (FDP) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass am 21. und 22. Dezember kein Schulunterricht stattfinden soll. Die Entscheidung solle helfen, den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Damit ist wegen des Wochenendes Freitag, der 18. Dezember, der letzte Schultag in NRW in diesem Jahr.

Andere Bundesländer, die nicht ohnehin schon einen frühen Ferienbeginn haben, könnten dem Beispiel folgen. So will Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz ist da zurückhaltender. "Wir haben dann ein veritables Betreuungsproblem", sagte der CDU-Politiker im MDR. "Familien haben ihre privaten Planungen mittlerweile abgeschlossen, auch ihre entsprechenden Urlaubsplanungen gemacht." Zudem seien viele Eltern an dem Montag und Dienstag vor Weihnachten vermutlich noch berufstätig. "Über die zwei Tage muss man nochmal nachdenken, ich bin im Moment aber eher skeptisch", sagte er.

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