Hitzefrei und Lüften

NRW-Schulen starten mit strenger Maskenpflicht in den Unterricht

12. August 2020 - 14:51 Uhr

Schulen in NRW zurück im Regelbetrieb

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands – in Nordrhein-Westfalen (NRW) – geht es für Millionen Schüler heute wieder zur Schule. Eigentlich nichts Außergewöhnliches, doch im Corona-Jahr ist alles anders. Monatelang fand der Unterricht, wegen der Auflagen zur Eindämmung der Pandemie, nur aus der Ferne und digital statt. Nach den Ferien herrscht jetzt aber weitgehend Regelbetrieb. Konkret heißt das: Alle Schüler müssen wieder im Klassenraum pauken. Zwei Drittel aller Bundesbürger halten es für richtig, die Schulen nach den Sommerferien in Deutschland wieder vollständig für den normalen Unterrichtsbetrieb zu öffnen. 29 Prozent hingegen meinen, dass man damit noch länger hätte warten sollen, zeigt eine Forsa-Umfrage für RTL. Wie die Schüler den ersten Tag nach den Ferien mit Maske erleben, sehen Sie im Video.

NRW hat als einziges Bundesland allerdings eine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet. Besonders bei den Hitzetemperaturen kann es da schnell schwitzig werden. Von Eltern- und Lehrerverbänden sowie aus der Opposition im NRW-Landtag gab es bereits viel Kritik an den neuen Regeln. Beim Oberverwaltungsgericht Münster gibt es bereits am ersten Schultag mehrere Klagen gegen die Maskenpflicht. Auch der Ärzteverband Marburger Bund hält eine Maskenpflicht im Unterricht für sinnlos. "Für die Oberstufenschüler gibt es jetzt ab dem kommenden Schuljahr auch eben entsprechend Hitzefrei und weil es natürlich auch jetzt mit Maske dann noch ein stückweit unangenehmer wird", begründet NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer die Änderung im Interview mit RTL.

Maskenpflicht für Schüler ab der fünften Klasse

Die Maskenpflicht im Unterricht betrifft Schüler und alle anderen Personen auf weiterführenden und berufsbildenden Schulen. Ausgenommen von der Regelung sind Grund- und Förderschüler, also alle Schüler bis einschließlich zur vierten Klasse. Für alle aber gilt eine Maskenpflicht auf Fluren und dem Schulgelände. Lehrer in Grundschulen dürfen den Mund-Nase-Schutz im Unterricht abnehmen, wenn sie den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten.

Der Start des Regelunterrichts in NRW wird bundesweit mit Spannungen verfolgt. NRW ist nämlich dicht besiedelt, daher könnte sich hier deutlich zeigen, wie die neuen Schutzkonzepte an Schulen funktionieren. Zuletzt sind die Infektionszahlen im NRW wieder gestiegen. "Wir müssen gerade in diesen Tagen besonders vorsichtig sein", rechtfertigt Ministerpräsident Armin Laschet seinen Kurs. Die Maskenpflicht gilt zunächst bis zum 31. August.

Corona-Rückverfolgung soll durch feste Sitzordnung möglich sein

Um mögliche Infektionsketten in Schulen zu vermeiden, sollen Klassenräume regelmäßig gelüftet werden. Ist dies in bestimmten Räumen nicht möglich, dürfe dort kein Unterricht stattfinden, so das NRW-Schulministerium. Zusätzlich soll für jede Unterrichtsstunde auch eine Anwesenheitsliste und eine feste Sitzordnung notiert werden, damit Infektionen besser zurückverfolgt werden können. Genau diese Maßnahmen sollen auch eine erneute Schulschließung verhindern. Wochenlanges "Home Schooling" könnte sonst für Eltern und Schüler zur Nervenprobe werden.

Nur 30 Prozent der Bürger glauben laut Forsa-Befragung, dass die meisten Schulen im Falle einer zweiten Schließung deutlich besser auf den Fernunterricht vorbereitet wären als vor der Corona-Krise. Rund zwei Drittel sind der Ansicht, dass die meisten Schulen nicht viel besser auf den Unterricht aus der Distanz vorbereitet wären.

Kinder haben ähnlich hohe Viruskonzentration

Wie infektiös Kinder tatsächlich sind, darauf hat auch die Forschung noch keine eindeutige Antwort. "Was wir schon ziemlich sicher sagen können ist, dass die Viruskonzentration in den Rachenräumen von Kindern ähnlich hoch sein kann wie bei Erwachsenen. Allerdings ist unklar, ob die Kinder auch dieselbe Übertragungswahrscheinlichkeit haben. Wir sehen in einigen Studien, dass vor allen Dingen innerhalb von Familien, wenn Kinder das Virus mitbringen, dann auch die Eltern angesteckt werden können. Allerdings ist unklar, welche Rolle Schulkinder bei der Ausbreitung generell in einer Population spielen", erklärt Virologe Timo Ulrichs im Gespräch mit RTL.

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