Sie sollen Anschläge in Deutschland geplant haben

Polizei NRW nimmt fünf Islamisten fest - Einsatz wegen Corona verschoben?

16. April 2020 - 9:13 Uhr

Nordrhein-Westfalen: Durchsuchungen in mehreren Städten

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat fünf Terrorverdächtige festgenommen, wie Landesinnenminister Herbert Reul in einem Pressestatement erklärte. Sie werden verdächtigt, Mitglieder einer Terrorzelle des sogenannten "Islamischen Staates" zu sein. Die Polizei durchsuchte 13 Gebäude in acht Städten im Sauerland, am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Teilweise liefen die Einsätze auch noch, so der Minister. Nach RTL-Informationen sollen die Behörden schon länger von der drohenden Gefahr gewusst haben, die von den Männern ausging. Wegen Corona wurde die Razzia aber offenbar verschoben.

Islamisten aus Tadschikistan bereits länger beobachtet

Nach RTL-Informationen ging die Polizei von einer konkreten Terrorgefahr aus. Die Islamisten stammen den Angaben zufolge aus Tadschikistan und kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen hätten sich die Männer im Januar 2019 dem IS angeschlossen und eine Terrorzelle gegründet, erklärte Reul.

Offenbar hatten die Verdächtigen zuerst den Plan, in ihre Heimat zurückzukehren und sich dort dem "heiligen Krieg" anzuschließen. Von dem Vorhaben seien die Verdächtigen dann aber offenbar wieder abgerückt und hätten beschlossen, in Deutschland tätig zu werden.

Wie die Bundesanwaltschaft bekannt gab, wurden am Mittwochmorgen die tadschikischen Staatsangehörigen Azizjon B., Muhammadali G., Farhodshoh K. und Sunatullokh K. festgenommen. Ein weiterer, Ravsan B., sitzt bereits seit 15. März 2019 in Untersuchungshaft.

Sie sollen Anschläge in Deutschland geplant haben

Laut Reul hatte das Innenministerium die Gruppe schon länger im Blick. Drei der Männer galten als Gefährder, die anderen beiden als "relevante Personen". Man sei ihretwegen auch schon "relativ unruhig" gewesen, erklärte der Minister. Nach RTL-Informationen war auch eine Razzia gegen die Männer bereits länger geplant. Wegen der Corona-Krise entschieden die Behörden aber offenbar, diese erst jetzt durchzuführen. Die Behörden bestätigen das aber bisher nicht.

Laut Reul hatten die fünf Verdächtigen Kontakt zu zwei hochrangigen IS-Mitgliedern in Syrien und Afghanistan. "Von denen erhielten sie Anweisungen", so der NRW-Innenminister. Ein konkreter Anschlag habe nicht unmittelbar bevorgestanden, die Männer seien aber dabei gewesen, Terrorakte vorzubereiten. Unter anderem hatten sie wohl US-Luftwaffenstützpunkte im Visier und planten offenbar, eine Person umzubringen, die sich aus ihrer Sicht islamkritisch geäußert hatte. Sie hatten auch schon damit begonnen, diese Person auszuspähen.

Haftprüfung beim Bundesgerichtshof
Die Verdächtigen wurden nach Karlsruhe gebracht und sollen dort einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
© dpa, Uli Deck, ude cul

Anleitung zum Bau von Sprengsätzen

Die Gefährder hatten sich nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler auch schon scharfe Schusswaffen und Munition besorgt. Die Waffen hätten die Beamten bisher aber nicht finden können, sagte Reul - die Durchsuchungen liefen aber teilweise auch noch. Bei einem der Verdächtigen sei eine Anleitung zum Bau von Sprengsätzen gefunden worden. Ansonsten hätten die Ermittler Geld und Datenträger sichergestellt.

Die Festgenommenen werden nun nach Karlsruhe gebracht und dort dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Für den Innenminister ist die Gruppe der Beweis, dass die Gefahren des Islamismus für NRW seine "keinesfalls gebannt" seien, sagte er.