Influencer-Marketing in der Staatskanzlei?

NRW kaufte Masken bei Firma, für die Laschets Sohn wirbt

30. November 2020 - 20:02 Uhr

SPD-Fraktion verlangt Aufklärung von Armin Laschet

Ein überraschender Kontakt zwischen dem Mode-Hersteller "van Laack" und der Düsseldorfer Staatskanzlei ruft die Opposition auf den Plan: Laut "van Laack"-Inhaber Christian von Daniels hatte der Sohn des Ministerpräsidenten, Mode-Blogger Johannes "Joe" Laschet, die Tür für einen großen Deal mit Kitteln und Masken geöffnet. Die SPD-Fraktion wittert "Influencer Marketing in der Staatskanzlei" und will über eine Kleine Anfrage im Landtag wissen, was genau da los war. Die Landesregierung sieht die Sache positiv: Man sei zu Beginn der Pandemie froh über jeden Hinweis auf entsprechende Unternehmen gewesen.

"van Laack"-Inhaber Christian von Daniels sprach im RTL-Interview schon im Juni davon, dass der Kontakt über Laschets Sohn zustande kam – den Ausschnitt zeigen wir im Video.

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Laschet-Sohn stellte Kontakt zu "van Laack" her

Laschet-Sohn stellt Kontakt zu Mode-Firma her
Armin Laschets Sohn soll für seinen Vater Kontakt zur Mode-Firma van Laack hergestellt haben, bei der NRW massenweise Schutzkleidung bestellte.
© dpa, Henning Kaiser, hka skm aus gfh

"van Laack"-Inhaber Christian von Daniels arbeitet seit Jahren mit Fashion-Blogger "Joe" Laschet zusammen. Der "Rheinischen Post" sagte von Daniels in einem Interview: "Ich habe Joe gesagt, dass er seinem Vater meine Nummer geben kann, wenn das Land Hilfe bei der Beschaffung von Masken braucht."

Ministerpräsident Armin Laschet habe dann tatsächlich an einem Sonntagabend angerufen und gesagt, der "van Laack"-Chef renne offene Türen ein. "Zwei Tage später saßen seine Mitarbeiter bei uns im Konferenzraum und haben sich unsere Masken und Kittel angeguckt", sagte von Daniels zur "Rheinischen Post".

Land musste in der Corona-Krise schnell Schutzkleidung beschaffen

Ein Sprecher der Landesregierung sagte am Montag auf dpa-Anfrage: "Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens in der ersten Welle im März gab es auf dem Weltmarkt nahezu keine Schutzkleidung und -masken." Diese seien zur Ausstattung von medizinischem Personal aber dringend benötigt gewesen.

"Die Landesregierung hat in dieser Zeit Kontakt zu Unternehmen aus ganz Deutschland gesucht, um hier schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen." Hinweise auf solche Firmen seien viele gekommen - jedem sei man nachgegangen: "Zum Teil persönlich durch den Ministerpräsidenten und weitere Mitglieder der Landesregierung." Ziel sei es gewesen, "nordrhein-westfälische Unternehmen auf die Fertigung von hochwertigen Schutzmaterialien umzustellen. So auch im Fall des Textilunternehmens "van Laack".

Der Modehersteller aus Mönchengladbach hat dem Land nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums schnell mehrere Millionen OP-Kittel und Masken geliefert. Jüngst bestellte das zuständige Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienst (LZPD) weitere 1,25 Millionen Alltags-Masken für die Polizei bei "van Laack".

Christian von Daniels Inhaber van Laack
Christian von Daniels (Inhaber van Laack) beim Besuch im Landeslager für Schutzausrüstung an der Messe. Düsseldorf
© imago images/Future Image, Jens Krick via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Angebote sollen über zentrale Prüfstelle gelaufen sein

Die SPD-Fraktion fragt nun im Titel ihrer Kleinen Anfrage: "Welchen Einfluss hatten die Geschäftsbeziehungen von Joe Laschet zum Modehersteller van Laack auf die Auftragsvergabe der Landesregierung?" Die Opposition will von der Landesregierung eine Auflistung aller "van Laack"-Aufträge. Außerdem will die SPD wissen, welche anderen Bieter mit im Rennen waren und ob es "Provisionen für Vermittlungstätigkeiten" gegeben habe.

Wie die Staatskanzlei gegenüber der dpa mitteilte, wurden alle Angebote von der zentralen Prüfstelle des Gesundheitsministeriums "auf ihre Tauglichkeit geprüft. Die Auswahl erfolgte über diese zentrale Prüfstelle." Für die detaillierten Fragen der SPD hat die Landesregierung nach Geschäftsordnung des Landtags vier Wochen Zeit zur Beantwortung.

Quelle: DPA, RTL.de