Organisierte Kriminalität

NRW-Innenminister Herbert Reul warnt vor neuen Familienclans

12. April 2019 - 20:35 Uhr

Neue Clans sollen gerade in Rauschgifthandel einsteigen

NRW-Innenminister Herbert Reul warnt vor neuen, vermutlich noch gewaltbereiteren Clans, die besonders ins Drogengeschäft einsteigen. In einem Interview im "Kölner-Stadt-Anzeiger" (KSTA) erklärt er, dass sich "Großfamilien aus dem irakisch-palästinensich-syrischen Bereich formieren, die versuchen die bisherigen Platzhirsche zu verdrängen". Er gab an, dass diese Familien zuerst als Handlanger von anderen Clans arbeiteten und sich nun innnerhalb der kriminellen Strukturen selbstständig machen. Im Video oben nimmt Reul dazu Stellung.

"Liegenlassen, bis die Hütte brennt"

Reul äußert sich im KSTA-Interview auch dazu, wie sich die Clan-Kriminalität generell ausbreiten konnte: "Man hat das Problem einfach nicht wahrhaben wollen. Politiker reagieren oft erst, wenn das Wasser bis zum Hals steht. Liegenlassen, bis die Hütte brennt". Mit der Null-Toleranz-Strategie versucht Reul mit vermehrten Razzien gegen die Clans vorzugehen. Bei einer Großrazzia im Ruhrgebiet gab es im Januar 14 Festnahmen, 100 Strafanzeigen, 500 Ordnungswidrigkeiten und 430 Verwarngelder.

Unter den neuen Clans sollen sich auch junge Männer mit Kriegserfahrung befinden, also Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Dieser neuen Gruppe spricht Reul eine mögliche, höhere Gewaltbereitschaft zu: "Leute, die aus Gebieten kommen, wo sie Gewalt und Krieg erlebt haben, sind dann möglicherweise ganz anders unterwegs, als diejenigen, die das nicht erlebt haben".

Perspektivlosigkeit bringt Kriminalität

Aus einer Studie über die Gewaltbereitschaft von Flüchtlingen geht zwar hervor, dass es während der Flüchtlingswelle einen Anstieg der Kriminalität gab. Es sei aber nicht zu pauschalisieren, dass Flüchtlinge zu mehr Gewalt tendieren. Große Unterschiede gab es bei den Herkunftsländern, denn gerade die von Reul erwähnten Syrer und Iraker sind hier deutlich weniger aufgefallen als andere Nationalitäten.

Im RTL-Interview spricht der SPD-Politiker Tom Schreiber die Clankriminalität unter anderem der verfehlten Integration zu: "Also wenn wir uns nicht um die Geflüchteten kümmern, sie zügig zu integrieren, dann werden es andere tun. Sie werden wie mit einem Staubsauger durch diese Gesellschaft gehen und Menschen, die keine Perspektive haben, aufsaugen und sie für ihre Straftaten missbrauchen".