NRW-Innenminister Herbert Reul schimpft: "Was ist das eigentlich für ein Scheiß-Laden hier?"

19. September 2018 - 17:45 Uhr

Reul hält Brandrede für Schutz von Rettungskräften

Bei einer Podiumsdiskussion hat NRW-Innenminister Herbert Reul von der CDU am Dienstagabend die Gesellschaft zu mehr Courage aufgefordert. Der Appell galt vor allem Einsatzkräften wie Polizisten und Feuerwehrleuten, die "bespuckt" statt bewundert werden.

"Verhalten unter aller Kanone"

"Wir haben gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten, Sanitätern in dieser Gesellschaft ein Verhalten, das unter aller Kanone ist", sagte Reul, als es um das Berufsbild eines Feuerwehrmanns oder einer Feuerwehrfrau ging. "Die werden zunehmend angegriffen. Da habe ich noch eine Zahl im Kopf: 6.000 waren es 2016."

Der 66-Jährige fuhr fort: "Ich finde, da müsste der Rest der Mannschaft auch mal aufstehen und sagen: Was ist das eigentlich für ein Scheiß-Laden hier?"

Situation in Großstädten besonders schlimm

Vor 60 Gästen diskutierten neben Herbert Reul noch die Landtagsabgeordnete Katharina Gebauer, der Troisdorfer Bürgermeister Klaus Werner Jablonski und der Troisdorfer Feuerwehrchef Stefan Gandelau zum Thema Rettungskräfte. Reuls Brandrede konnte jedoch keins der anderen Podiumsmitglieder übertreffen.

"Wir haben die Situation in Großstädten, da überlegen Sanitäter, ob sie in die Wohnungen reingehen können, wenn sie einer ruft." Laut der Kriminologin Janina Lara Dressler könnte Herbert Reul mit seiner Theorie richtig liegen. Die Situation für Einsatzkräfte in Großstädten ist besonders schlimm. Dressler hat 2015 mehr als 1.500 Rettungskräfte in den Städten Berlin, Hamburg, München und Köln nach deren Gewalterfahrungen gefragt. Fast Jeder (93,4 Prozent) wurde in der Tat schon beleidigt, bespuckt oder beschimpft. Jeder Dritte wurde geschlagen.​

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Wer ist verantwortlich für eine respektlose Gesellschaft?

Darauf zielt Herbert Reul in seiner Brandrede ab und sagt: "Wieso hat sich das so entwickelt? Dass wir eine so respektlose Gesellschaft geworden sind? Mittlerweile erlebt man das überall. Und das muss einen Grund haben, da haben wir irgendwas versemmelt. Beim 'Kinder-großwerden-Lassen' ist da was nicht richtig gelaufen."

"Die Politik ist überfordert"

Diese Veränderung des Respektgefühls innerhalb der Gesellschaft habe auch Auswirkungen auf den Alltag von jungen Menschen. "Auf Schulhöfen oder Schützenfesten – Schlägereien gab's immer mal – aber heute kommen die Messer", sagt Reul. Früher auf dem Schulhof hätte es manchmal Schubsereien gegeben. Dann sei einer hingefallen und das Thema erledigt gewesen. Heute dramatisiere sich die Situation sofort wegen fehlender Regeln.

Welche Kultur Reul meint, das erklärte er so: "Rettet die Schildkröte oder den Oberhamster oder den Unterhamster – da gibt es riesige Wellen und die Leute machen sich stark, riesige Begeisterungsstürme." Menschen in Deutschland sollten auf die Straße gehen, sich stark machen, für Wünsche und Bedürfnisse einstehen. Und zwar nicht nur, wenn es um virale Tierthemen geht.