Autofahrer sollen ohne Prüfung Motorrad fahren dürfen

Notärzte besorgt: Scheuers Pläne zum Motorradfahren riskieren Leben

21. Juni 2019 - 7:24 Uhr

Video: "Ich kann ja auch keinen Autofahrer auf einen 40-Tonner-LKW setzen."

Der Morgen nach dem Motorrad-Vorstoß dürfte für Verkehrsminister Andreas Scheuer nicht gerade erfreulich gewesen sein. Denn sein Plan, dass Autofahrer in Zukunft mit dem normalen Autoführerschein auch kleinere Motorräder fahren dürfen, stößt auf heftige Kritik - vor allem bei Notärzten. RTL-Reporter haben sich auf der Straße umgehört. Was Autofahrer von den neuen Plänen halten, zeigen wir im Video.

"Ich halte das für keine besonders glückliche Idee"

Nach dem Vorstoß des Bundesverkehrsministeriums haben sich nun auch Deutschlands Notärzte zu Wort gemeldet. "Ich halte das für keine besonders glückliche Idee. Dadurch kann es zu noch mehr Unfällen kommen", warnt Florian Reifferscheid von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte. Autofahrer seien nicht geübt darin, mit der Energie eines Motorrads umzugehen.

"Jedem, der Motorrad fahren will, empfehle ich einen richtigen Motorradführerschein", sagte Reifferscheid. Man müsse lernen, wie das Motorrad bei besonderen Bedingungen wie einer nassen Fahrbahn oder bei Rollsplit reagiere. Denn das Risiko sei hoch: "Wir sehen immer wieder schwere Unfälle mit Motorrädern, weil im Gegensatz zum Auto die Knautschzone fehlt."

Das Ziel sei "mehr Mobilität"

Der Vorstoß des Verkehrsministeriums betrifft Motorräder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimetern. Die Fahrer müssen mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und mindestens fünf 90-minütige Fahrstunden absolvieren.

Das Ministerium betonte außerdem am Donnerstag, das Ziel sei, "mehr Mobilität - insbesondere auch im Bereich der Elektromobilität - zu ermöglichen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit sicherzustellen. Gerade im ländlichen Raum stärken wir so die individuelle Mobilität und machen den Verkehr durch den Einsatz alternativer Antriebe klimafreundlicher."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Senkung der Anforderungen sei "fraglich"

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hält überhaupt nichts von Scheuers Vorstoß. Diese Leichtkrafträder könnten schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren und seien nach den besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik, schreiben die Experten in einer Stellungnahme. Es sei "fraglich", dass "plötzlich" die Anforderungen deutlich gesenkt werden sollten - die EU erlaubt das den Mitgliedsstaaten nämlich schon seit 13 Jahren.

Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 66 Fahrer solcher Leichtkrafträder bei Unfällen. A1-Motorräder hätten bei den "Hauptverursachern von Unfällen mit Personenschaden den traurigen Platz 2" belegt, schreibt der DVR.