Norwegen: Erstes Opfer beerdigt

"Es ist einfach nicht zu fassen"

Während der Attentäter von Oslo, Anders Behring Breivik, nach Angaben seines Anwalts bei den Anschlägen vor einer Woche noch weitaus mehr Menschen töten wollte, wurde das erste Opfer beerdigt.

Bano Rashid Beerdigung
Das erste Opfer der Norwegen-Anschläge wurde am Freitag beerdigt.
REUTERS, SCANPIX NORWAY

In dem Ort Nesodden südlich von Oslo versammelte sich eine große Trauergemeinde zum Begräbnis der 18-jährigen Bano Rashid. Sie gehörte zu den Opfern auf Utøya. Die Trauerrede hielt Außenminister Jonas Gahr Støre.

"Bano ist nicht mehr da, und es ist einfach nicht zu fassen", sagte der Sozialdemokrat über seine ermordete junge Parteikollegin. Die junge Frau, die mit ihren kurdischen Eltern als Vierjährige aus dem Irak nach Norwegen kam, war in der Arbeiterpartei aktiv und stand als Kandidatin auf den Listen für die Kommunalwahlen Mitte September.

"Bano hat die Idee der Demokratie verstanden und wusste, dass Norwegens Zukunft auch in ihren Händen lag", meinte der Minister und erzählte herzzerreißend von den letzten Stunden, ehe der Attentäter mit seinem Schnellfeuergewehr und einer Pistole das friedliche, Sommerlager in eine Hölle verwandelte.

Bano Rashid war mit ihrem großen politischen Vorbild, Norwegens früherer Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, zusammen. Beide sprachen wenige Stunden vor dem Massaker auf Utøya ausführlich miteinander. Weil es nach viel Regen matschig war, und so lieh die 18-jährige Tochter aus der Zuwandererfamilie der berühmten 72-jährigen Politikerin ihre Gummistiefel.

Polizei verhört Breivik erneut

Breiviks Verteidiger Geir Lippestad sagte unterdessen der norwegischen Zeitung 'Aftenposten': "Er hatte an diesem Freitag noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung." Diese seien "genau so konkret" gewesen wie die Bombe im Osloer Regierungsviertel und das Massaker auf der Insel Utøya. Breivik hatte auch Bombenanschläge am Osloer Schloss und dem Hauptquartier der norwegischen Sozialdemokraten geplant. Das berichtete die Zeitung 'VG' unter Berufung auf Polizeikreise. Weiter hieß es, der Massenmörder sei an der Ausführung durch "logistische Probleme" gehindert worden.

Über den Verlauf sagte Lippestad: "Es sind an dem Tag Dinge geschehen, auf die ich nicht eingehen kann. Sie hatten zur Folge, dass alles etwas anders verlief, als er sich vorgestellt hatte." Konkret nannte der Anwalt in 'Aftenposten' Breiviks Absicht, zwei weitere Gebäude "zu bombardieren".

Breivik wird heute erneut vernommen. Ein Polizeisprecher sagte aber, dass bei dem zweiten Verhör des 32-Jährigen im Tagesverlauf keine neuen Angaben zu erwarten seien. Die Ermittler würden lediglich das Protokoll des ersten Verhörs vom letzten Wochenende nach der Festnahme durchgehen, hieß es weiter.

Polizeisprecher Pål Hjort Kraby bezeichnete den geständigen Attentäter als weiter "ausgesprochen ruhig". Kraby sagte: "Er ist mehr als willig, alles zu erklären." Zwei norwegische Rechtspsychiater sollen Breivik auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und bis 1. November ihr Gutachten vorlegen.

Nach jetzigem Stand soll Breivik wegen der Dimension der Tat erst im nächsten Jahr der Prozess gemacht werden. Der Fall sei so umfangreich, dass die Ausarbeitung der Anklageschrift viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Dann muss sich der Rechtsradikale für alle 77 Morde (die Polizei korrigierte die Zahl der Todesopfer nach oben) einzeln verantworten, so Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch.

Der Attentäter hatte am 22. Juli direkt vor dem Osloer Regierungs-Hochhaus eine Autobombe detonieren lassen, durch die acht Menschen starben. Zwei Stunden später begann er auf der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya mit einem Massaker an Teilnehmern eines sozialdemokratischen Jugendlagers.