Gibt es so viel Schnee wie 2010?

Am Nordpol ist es so kalt wie lange nicht, auch das Meereis ist gut entwickelt

02. Dezember 2021 - 13:27 Uhr

Der Winter bereitet sich im Norden anscheinend gut vor

Der Dezember ist da und der Winter hat jetzt nicht nur klimatologisch und meteorologisch angefangen, sondern er setzt auch im tatsächlichen Wettergeschehen erste Akzente, auch bei uns. Das es im Norden von Europa jetzt schon kalt werden kann, ist nichts ungewöhnliches. Dennoch sind die jetzt herrschenden tiefen Temperaturen in Skandinavien von unter -30 Grad schon bemerkenswert. Und auch am Nordpol passieren Dinge, die wir lange nicht beobachtet haben. Es ist nämlich so kalt wie lange nicht und auch das Meereis hat eine fast normale Ausdehnung Anfang Dezember. Die Temperaturen dort erinnern an den Dezember 2010. Kommen Kälte und Schnee jetzt wie 2010 wieder zu uns?

Oben im Video können Sie sehen, wie die kalte Luft angezapft wird

Was war denn im Dezember 2010 bei uns los?

Ein Weihnachtsfest dürfte vielen von uns noch in Erinnerung sein. Weihnachten 2010 - es war das weißeste Weihnachten in den letzten Jahrzehnten. Damals ging es schon früh im Dezember mit Schnee bis ins Flachland los. Getoppt wurde dieser frühe Winter dann aber durch eine deutschlandweite Schneeauflagen zum Weihnachtsfest. Schlussendlich fiel der Dezember 2010 am Ende rund vier Grad zu kalt und viel zu nass aus. Eine geniale Kombi für alle Winterfreunde.

Seit der letzten deutschlandweiten weißen Weihnacht im Jahr 2010 erlebten aber alle Winterfreunde eine extreme Durststrecke. Denn danach gab es eine Serie von sehr milden Weihnachtstagen wie seit mindestens 60 Jahren nicht mehr. Doch jetzt besteht Hoffnung!

Temperaturen am Nordpol 2021 so kalt wie 2010

Die Temperaturen am Nordpol sind so kalt wie lange nicht mehr
Die täglich gemittelte Temperatur 2021 über der Arktis (rote Kurve) liegt seit langem mal wieder unter dem Mittel (grüne Kurve) von 1958 bis 2002. (http://ocean.dmi.dk/english/index.php)
© DMI Dänemark

Die täglich gemittelte Temperatur über der Arktis liegt seit langem mal wieder unter dem Mittel von 1958 bis 2002. Die Temperaturen am Nordpol lagen in den letzten Jahren zum Jahresende immer weit über dem Mittel. Deswegen sind die zu kalten Werte dieses Jahr schon etwas Besonderes und haben dazu auch noch Gemeinsamkeiten mit dem Temperaturverlauf von 2010. Da hatten wir ja bei uns viel Kälte und Schnee.

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Auch im Jahr 2010 war es Anfang Dezember ähnlich kalt am Nordpol
Zum Vergleich die täglich gemittelte Temperatur aus dem Jahr 2010 über der Arktis (rote Kurve) und dem Mittel (grüne Kurve) von 1958 bis 2002. (http://ocean.dmi.dk/english/index.php)
© DMI Dänemark

Was ist so besonders an den kalten Temperaturen am Nordpol?

Dazu unser Wetterchef Christiann Häckl: "Da sich die Arktis rund um den Nordpol vor allem im Winter dramatisch erwärmt hat in den letzten 30 Jahren, sinken die Temperaturen selbst bei kalten Phasen kaum noch unter das langjährige Mittel. Umso auffälliger ist, dass derzeit fast der gesamte arktische Bereich kälter ist als das langjährige Mittel - also flächig nahe minus 30. In extrem milden Wintern - in El Nino Jahren - erreicht ja selbst der Nordpol inzwischen Temperaturen nahe 0 Grad im Umfeld starker Sturmtiefs vom Nordatlantik."

Meereis-Produktion läuft am Nordpol ebenfalls gut an

Ausbreitung Meereis bis Ende November. Lediglich Richtung Nordamerika gibt es noch nicht so viel Eis wie normal.
Auch die Ausbreitung des Meereises Ende November zeigt mehr oder weniger endlich mal wieder eine normale Entwicklung. Lediglich Richtung Nordamerika gibt es noch nicht so viel Eis wie normal (gelbe Linie). Quelle NSIDC
© NSIDC

Die Ausbreitung des Meereises Ende November zeigt mehr oder weniger endlich mal wieder eine normale Entwicklung. Lediglich Richtung Nordamerika gibt es noch nicht so viel Eis wie normal.

Kriegen wir etwas von der Kälte und dem vielen Meereis am Nordpol mit?

Um von der Kälte vom Nordpol in Mitteleuropa etwas abzubekommen, ist es ein sehr, sehr weiter Weg. Zu weit, um direkt etwas zu spüren. Denn dazwischen liegen Tausende von Kilometern von eisfreiem und etwas wärmeren Wasser. Die kalte Polarluft kann sich also langsam erwärmen und kommt nur noch in abgeschwächter Form zu uns.

Interessanter für unser Winterwetter ist da schon die Entwicklung in Skandinavien. Wenn da sehr kalte Luft vorhanden ist – wie gerade der Fall – dann ist es ein sehr kurzer Weg nach Deutschland und die Luft hat wenig Zeit, sich zu erwärmen.

Dennoch ist das Vorhandensein beider Kältepole in unseren komplexen Wetterbeziehungen eher förderlich für einen eher kalt und schneereich geprägten Winterverlauf.

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(oha)