Konjunktur

NordLB: Wirtschaftsklima trübt sich ein, aber kein Absturz

NordLB - Eberhard Brezski
Eberhard Brezski, Volkswirt an der NordLB, spricht am 07.01.2015 während einer Pressekonferenz in Hannover.
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Die Multi-Krise drückt auf Konsum, Investitionen, öffentliche Ausgaben und den Außenhandel auch in Niedersachsen. Hinzu kommen neue Zinserhöhungen. Die Unsicherheit bleibt 2023 hoch, betont die NordLB. Aber bei manchen Problemen zeige das Gegensteuern erste Erfolge.

Das wirtschaftliche Klima in Niedersachsen dürfte sich nach Einschätzung der NordLB in diesem Jahr deutlich eintrüben – es gibt aber auch positive Trends. Für das regionale Bruttoinlandsprodukt rechnet das Institut mit einem mageren Plus von 0,3 Prozent, nachdem die Wirtschaftsleistung 2022 bisherigen Daten zufolge noch um einen Prozentpunkt mehr gewachsen war. Zu den Gründen für die absehbar schwächere Entwicklung in den kommenden Monaten zählen die anhaltend hohe Inflation und Probleme in den Lieferketten, die sich seit dem Beginn des Ukraine-Krieges verschärft haben.

Niedersachsen kann sich von der konjunkturellen Abkühlung, die wir in Deutschland, aber auch in der Eurozone sehen, nicht entkoppeln, erklärte der NordLB-Volkswirt Eberhard Brezski am Mittwoch im Jahresausblick der Bank in Hannover. Schon 2022 sei es in Teilen der Industrie und Baubranche nicht mehr gut gelaufen. 2023 müsse man sich im Nordwesten insgesamt auf eine weitere Verschlechterung einstellen.

Der Weltwirtschaft steht aus Sicht vieler Ökonomen eine Schwächephase bevor. Leider zeichnet sich keine kurzfristige Lösung ab, warnte NordLB-Vorstand und Risikoexperte Christoph Dieng. Volkswirtschaften dürften durch die Kriegsfolgen weiter ausgebremst werden. Dennoch gelte es, auch stabilisierende Faktoren zu beachten: Das Auffüllen der Gasspeicher in Europa und die Einspar-Anstrengungen haben dazu geführt, dass eine Gasmangellage offenbar vermieden werden kann.

Die hohe Inflation war zuletzt etwas abgeflaut. Jedoch erwartet die NordLB, dass sie sich 2023 als hartnäckig erweisen wird. Um der Entwertung des Geldes entgegenzusteuern, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen weiter erhöhen, prognostizierte NordLB-Chefvolkswirt Christian Lips. Dies ist eine Standardmaßnahme – das steigende Zinsniveau verteuert in der Folge allerdings auch Kredite für Haushalte, Bauherren und Unternehmen, so dass Konsum und Investitionen zumindest teilweise eingeschränkt werden können.

Die Verbraucherpreise in Deutschland hatten 2022 im Jahresschnitt um 7,9 Prozent zugelegt. Bezogen auf den in der Geldpolitik maßgeblichen Index HVPI war das Preisniveau sogar 8,7 Prozent höher als im Vorjahr – die NordLB erwartet 2023 nun ein Absinken auf 6,5 Prozent. Die EZB strebt eine Inflationsrate von gut zwei Prozent in der Eurozone an.

Für ganz Deutschland hält die NordLB 2023 ein leichtes Wachstum für möglich: Unter Einschluss der Preisentwicklung könne ein Plus von 0,2 Prozent gelingen. Insgesamt habe sich die Wirtschaft in den letzten Monaten recht robust gezeigt, erklärte die Landesbank Niedersachsens und Sachsen-Anhalts. Die konjunkturelle Entwicklung verläuft bislang deutlich besser als erwartet, und es gibt gute Gründe, vorsichtig optimistisch auf die Entwicklung in diesem Jahr zu blicken, so Lips.