Nordkorea rät Ausländern in Südkorea zur Ausreise

16. April 2013 - 12:49 Uhr

Säbelrasseln in Nordkorea

Nach seiner Kriegsdrohung hat Nordkorea allen in Südkorea lebenden Ausländern das Verlassen des Landes nahegelegt. "Wir wollen, dass den Ausländern in Südkorea im Falle eines Kriegs nichts passiert", hieß es in einer Erklärung des kommunistischen Regimes. Nordkorea lässt inzwischen auch keine Arbeiter aus dem eigenen Land mehr in den gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industriepark in Kaesong - das erste Mal seit der Eröffnung des grenznahen Komplexes 2004. Die Produktion steht dort still.

Nordkorea rät Ausländern in Südkorea zur Ausreise
. Die Ausländer in Südkorea sollten besser ausreisen, fordert das Regime in Pjöngjang.
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Alle ausländischen Organisationen, Unternehmen und Touristen in Südkorea sollten sich über Schutzräume informieren und im Voraus Pläne zur Abreise zurechtlegen, wurde ein Sprecher des Asien-Pazifik-Komitees in Pjöngjang von den nordkoreanischen Staatsmedien zitiert. Den USA und Südkorea unterstellte Nordkorea erneut, einen Atomkrieg vorzubereiten. Sollte ein Konflikt auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen, werde Nordkorea einen "gnadenlosen Vergeltungskrieg" führen. In Südkorea befinden sich nach Schätzung der Botschaft derzeit etwa 5.000 Deutsche.

Außenminister Westerwelle ermahnte Nordkorea, den Konflikt in der Region nicht weiter zu schüren. Bei einer Abrüstungskonferenz in Den Haag verurteilte er den Aufruf Nordkoreas an Ausländer in Südkorea, das Land zu verlassen. "Das ist eine erhebliche Gefährdung nicht nur der Stabilität der Region, sondern auch der internationalen Sicherheitsstruktur", kritisierte Westerwelle.

Eine unmittelbare Kriegsgefahr gibt es nach Auffassung des deutschen Außenministers nicht. "Das ist auch viel nach innen gerichtete Kriegsrhetorik, doch wir nehmen dies sehr ernst." Deutsche in Südkorea seien nicht gefährdet, sollten jedoch guten Kontakt zur Botschaft in Seoul halten, riet Westerwelle. Der japanische Außenminister Fumio Kishida sprach von einer "ernsthaften Provokation".

EU-Diplomaten bleiben in Nordkorea

Das japanische Verteidigungsministerium brachte unterdessen wegen der Drohungen aus Nordkorea Raketenabwehrvorrichtungen in der Hauptstadt Tokio in Stellung. Eine PAC-3-Abschusseinheit wurde auf dem Gelände des Ministeriums im Stadtteil Ichigaya aufgestellt, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs sind in Nordkorea die Vorbereitungen für den Start einer Mittelstreckenrakete an der Ostküste inzwischen abgeschlossen. Südkorea vermutet, dass Nordkorea die Rakete noch in dieser Woche von einer mobilen Startrampe von der Ostküste abfeuern wird.

Mit der Warnung heizt Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern den Konflikt um seine Atom- und Raketenprogramme weiter an, um den Druck auf Seoul und Washington zu erhöhen. Die jüngste Ankündigung kam wenige Tage nach der Empfehlung Nordkoreas an ausländische Botschaften in Pjöngjang, die Botschaftsgebäude zu räumen. Trotz der Warnungen vor möglichen Gefahren waren die ausländischen Diplomaten und ihre Mitarbeiter in Pjöngjang geblieben.

Die sieben EU-Staaten mit Botschaften in Nordkorea, darunter auch Deutschland, wollen ihre Diplomaten auch weiterhin nicht abziehen. Dies sagte ein EU-Diplomat am Dienstag in Brüssel. Neben Deutschland planten auch Bulgarien, Großbritannien, Polen, Rumänien, Tschechien und Schweden "derzeit keine Evakuierung der Botschaften". Es gebe keine Anzeichen für erhöhte militärische Aktivität in Pjöngjang.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen.

In der Sonderwirtschaftszone in der nordkoreanischen Stadt Kaesong kam die Produktion inzwischen zum Erliegen, wie das Vereinigungsministerium in Seoul mitteilte. Keiner der rund 53.000 nordkoreanischen Arbeiter sei zur Arbeit erschienen. Pjöngjang hatte zuvor den Abzug seiner Arbeiter angekündigt. Der Betrieb werde bis auf weiteres eingestellt und der Fortbestand des Kaesong-Komplexes überprüft, hieß es.

Der Industriepark, in dem zuletzt 123 südkoreanische Unternehmen produzierten, war das letzte große Gemeinschaftsprojekt der beiden Länder. Über 400 Südkoreaner befanden sich am Dienstag noch in Kaesong. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye kritisierte die Entscheidung Nordkoreas. Sie sei "sehr enttäuscht", sagte sie in Seoul.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte davor, dass der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea außer Kontrolle gerate. "Das derzeitige Maß an Spannungen ist sehr gefährlich. Ein kleiner Vorfall, ausgelöst durch eine Fehleinschätzung, könnte eine Situation schaffen, die nicht mehr kontrollierbar ist", sagte der Südkoreaner Ban. Pjöngjang solle seine Entscheidung über die Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industrieparks Kaesong überdenken, sagte der UN-Generalsekretär.