Nordkorea erweitert seine Internierungslager

Die Satellitenaufnahme zeigt die Erweiterung der Halle 16. Foto: Amnesty International
© AMNESTY INTERNATIONAL

07. Dezember 2013 - 10:18 Uhr

Vergewaltigung und Hinrichtung gehören zum Tagesplan

Satellitenaufnahmen, die Amnesty International (AI) ausgewertet hat, belegen es: Nordkorea baut seine Internierungslager aus. Die Lager, die es laut offiziellen Angaben der nordkoreanischen Regierung gar nicht gibt, beherbergen mehrere hunderttausende Menschen. Sie leben dort unter den inhumansten Bedingungen und vegetieren langsam vor sich hin. Flüchtlinge und Menschenrechtsgruppen haben bereits vor Jahren enthüllt, dass es landesweit mindestens sechs dieser Camps gibt.

Weil Nordkorea keine unabhängigen Beobachter ins Land lässt und die Existenz der Lager leugnet, sind diese Satellitenaufnahmen sowie die Aussagen der wenigen Flüchtlinge alles, was man momentan weiß. Doch diese Aussagen sind schockierend: Zwangsarbeit, Vergewaltigung und Hinrichtungen sind in den Lagern an der Tagesordnung.

Sträflinge müssen ihre eigenen Gräber ausheben

Der ehemalige Lagerwachmann, der in Lager 16 von den 1980er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre arbeitete, beschreibt, wie Sträflinge ihre eigenen Gräber ausheben mussten und anschließend mit Hammerschlägen ins Genick getötet worden sind. Außerdem habe er gesehen, wie Lageroffiziere Opfer stranguliert und anschließend mit Stockschlägen getötet hätten. Auch Vergewaltigungen von weiblichen Häftlingen seien an der Tagesordnung gewesen. Die Frauen wurden nach ihren "Diensten" der Geheimhaltung wegen getötet.

Dieses monströse Straflager wurde in der Zeit von 2011 – 2013 auch noch vergrößert, wie die Satellitenaufnahmen zeigen. Es sind deutlich erkennbare neue Wohnbaracken dazu gekommen. Zudem gibt es klare Anzeichen für Arbeitsaktivitäten. Das Lager 16 ist nach Angaben von AI 560 Quadratkilometer groß. Das entspricht in etwa der dreifachen Größe der US-Hauptstadt Washington DC. Rund 20.000 Menschen sind dort eingesperrt.

Auch das Lager 15, wo laut AI Häftlinge zehn bis zwölf Stunden täglich Zwangsarbeit verrichten mussten, wurde ausgebaut. Es ist 370 Quadratkilometer groß. 2011 lebten dort schätzungsweise 50.000 Menschen.