Nordkorea droht Südkorea mit Angriff ohne Vorwarnung

© dpa, Jeon Heon-Kyun

16. Juni 2013 - 19:21 Uhr

"Ultimatum an die südkoreanischen Marionettenkräfte"

Nach Abschluss der Feiern zum 101. Geburtstag des "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung hat Nordkorea den Ton gegen Südkorea wieder deutlich verschärft. Das oberste Kommando der Volksarmee drohte mit einer "Vergeltungsaktion ohne Vorwarnung". Grund seien anti-nordkoreanische Proteste in Seoul. Es handle sich um ein "Ultimatum an die südkoreanischen Marionettenkräfte", wurde das Kommando von den Staatsmedien zitiert. Falls Seoul einen Dialog wolle, müsse es sich für alle anti-nordkoreanischen Aktionen entschuldigen.

Die Drohung erfolgte nach einer Kundgebung in der südkoreanischen Hauptstadt, bei der laut Medienberichten Mitglieder konservativer Gruppen Porträts von Kim Il Sung, seines Sohns Kim Jong Il und des Enkels und derzeitigen Machthabers Kim Jong Un verbrannt hatten. Nordkorea hatte am selben Tag den Geburtstag Kim Il Sungs gefeiert. Es ist der höchste Nationalfeiertag des kommunistischen Landes. Das Verteidigungsministerium in Seoul nannte die jüngste Drohung aus Pjöngjang "bedauerlich". Südkorea werde strikt auf jede militärische Provokation reagieren, sagte ein Sprecher.

Nordkorea fühlt sich durch solche häufig stattfindenden anti-nordkoreanischen Proteste im westlich orientierten Süden provoziert. Es unterstellte der südkoreanischen Regierung, die jüngste Kundgebung unterstützt zu haben. Es sei ein "krimineller Akt" gewesen, der die "Würde der obersten Führung" des Landes verletzt habe. Nach den Kriegsdrohungen in den vergangenen Wochen hatte Nordkorea den Geburtstag des als Staatsgründer verehrten Kim Il Sung ohne Säbelrasseln gefeiert. Auch hatte das Regime auf größere Paraden verzichtet.

China macht die USA für den Konflikt mitverantwortlich

Südkoreas Verteidigungsministerium hatte jedoch mehrfach bekräftigt, dass man in Nordkorea weiter für den Start von einer oder zwei Mittelstreckenraketen gerüstet sei. Zunächst war angenommen worden, dass Pjöngjang die Raketentests noch vor oder am Geburtstag von Kim Il Sung unternehmen könnte, um Stärke zu demonstrieren. Auch bisher unerprobte Mittelstreckenraketen des Typs Musudan mit Reichweiten von schätzungsweise 3.000 bis 4.000 Kilometern könnten abgeschossen werden, hieß es.

US-Außenminister John Kerry hatte seine Asien-Reise nach Besuchen in Südkorea, China und Japan beendet. Dabei hatte er zusammen mit Japan trotz der andauernden Provokationen aus Pjöngjang die Gesprächsbereitschaft seines Landes signalisiert. Washington bleibe offen für "glaubwürdige und zuverlässige" Verhandlungen, hatte Kerry in einer Rede in Tokio gesagt. Zugleich forderte er Pjöngjang auf, "bedeutungsvolle Schritte" hin zu einer atomaren Abrüstung zu unternehmen.

Die Lage in der Region gilt seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar als extrem gespannt. Angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischen Militärübungen hatte Nordkorea den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt.

Inmitten der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hat Chinas Militär Anspielungen auf eine Mitverantwortung der USA an Konflikten in der Region gemacht. "Länder haben ihre Allianzen in der Region Asien-Pazifik ausgebaut, ihre militärische Präsenz ausgeweitet und sie verstärken regelmäßig die Spannungen", hieß es in einem Militärbericht. China müsse sich derzeit mit vielen und schwierigen Risiken für seine Sicherheit auseinandersetzen. Es gebe Zeichen für "zunehmende Hegemonie, Machtpolitik und Neo-Interventionismus", hieß es weiter, ohne die USA ausdrücklich namentlich zu erwähnen.