Durch Corona wächst der wirtschaftliche Druck

Norddeich: Weniger Heuler in Seehundstation aufgezogen

Ein junger Seehund schwimmt in einem Becken der Norddeicher Seehundstation. Foto: Sina Schuldt/dpa
Ein junger Seehund schwimmt in einem Becken der Norddeicher Seehundstation. Foto: Sina Schuldt/dpa
© deutsche presse agentur

28. Dezember 2020 - 7:31 Uhr

29 Tiere weniger

In der Norddeicher Seehundstation sind in der Saison 2020 etwas weniger Heuler aufgezogen worden als im vergangenen Jahr. 131 Tiere wurden zwischen Mitte Mai und Ende Juli in die Station gebracht, von Tierpflegern aufgepäppelt und später wieder ausgewildert, wie der Leiter der Seehundstation, Peter Lienau, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Vorjahr hatte die Station im Kreis Aurich im ähnlichen Zeitraum 160 junge Seehunde versorgt.

Mehr gemeldete Seehunde durch Corona

Woran der Rückgang liege, sei schwer abzuschätzen, sagte Lienau. Klar sei, dass es nicht weniger Störungen der Tiere gegeben habe. "Die gab es auch dieses Jahr exorbitant viel", sagte Lienau und führt das auf die hohe Zahl an Fundmeldungen an die Station zurück. Demnach habe es 2020 mehr Meldungen gegeben - zeitgleich seien aber weniger Seehunde eingeliefert worden.

Ein Grund für die gestiegenen Meldezahlen sieht Lienau darin, dass die ersten Corona-Lockerungen mit dem Beginn der Geburten- und Aufzuchtphase der Seehunde im Mai zusammenfielen. Im Juni werden die meisten Seehunde geboren. In dieser Zeit seien auch viele Urlauber an die Küste gekommen. "Es waren einfach mehr Menschen draußen unterwegs", sagte der Experte, so dass es zu Störungen kam.

Wenn die Muttertiere im Wasser nach Nahrung suchen, werden die Jungtiere kurzzeitig am Strand abgelegt. Als Heuler gelten sie erst, wenn sie dauerhaft von der Mutter getrennt werden. Das passiert auch bei Stürmen und Sommergewittern - oder durch Störungen von Hunden und Spaziergängern. Mutterlose oder verletzte Seehunde und vereinzelt auch Kegelrobben werden in der Station versorgt.

Weniger Einnahmen durch Corona

Die Corona-Pandemie setzte die Seehundstation wirtschaftlich unter Druck: Aufgrund der scharfen Corona-Regeln brachen zeitweise die Einnahmen aus Eintrittsgeldern weg. Dabei finanziere sich die Arbeit der Station zu 97 Prozent aus dem Eintritt der Besucher und Spenden, sagte Lienau. Die Vorsaison mit den Osterferien sei entfallen. Später durften mit einem Hygienekonzept bis zu 800 Besucher am Tag die Station besuchen. "Aber den großen Anlauf der Touristen im Sommer konnten wir nicht bewältigen", sagte Lienau. Warteschlangen waren die Folge. Sonst seien im Sommer bis zu 2000 Besucher im Schnitt täglich in die Station gekommen. Unterm Strich wurden mit 150.000 Besuchern 2020 nur etwas mehr als die Hälfte der Besucher im Vorjahr registriert - da waren es 270.000. "Die Angst war sehr groß in der Phase, wo wir eine Saison planten und nicht wussten, wie es weitergeht", sagte Lienau. Denn als Besucher ausblieben, liefen die Kosten für die Tierpflege weiter. Größere geplante Investitionen wie etwa eine Sanierung der Klimaanlagen blieben auf der Strecke.

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Ohne Spenden geht es nicht

Das Land Niedersachsen unterstützte die Station mit 375.000 Euro. Zudem habe es eine große Spendenbereitschaft gegeben. "Die Spenden sind ein wichtiger Puffer, der uns auch über den Winter am Leben hält", sagte Lienau. Dafür seien Trägerverein, Vorstand und die etwa 50 Mitarbeiter sehr dankbar. Mit Beginn der erneut verschärften Corona-Regeln Anfang November wurde die Station für Besucher wieder geschlossen. Für das kommende Jahr setzt das Nationalpark-Haus auf ein Online-Buchungssystem, so sollen Besucherströme besser gelenkt werden.


Quelle: DPA / RTL.de