Noch nie geprüft: Steuerzahlerbund will Klarheit über Goldreserven

2011 verfügte die Bundesbank über 3.396 Tonnen Gold. Aktuell wird der Wert der Goldreserven auf 143 Mrd. Euro geschätzt.
2011 verfügte die Bundesbank über 3.396 Tonnen Gold. Aktuell wird der Wert der Goldreserven auf 143 Mrd. Euro geschätzt.
© dpa, DB Bundesbank

24. Oktober 2012 - 11:34 Uhr

"Wir wollen Sicherheit"

Der Bundesrechnungshof hat von der Bundesbank eine genaue Bestandsaufnahme der riesigen Goldreserven im Ausland sowie regelmäßige Kontrollen gefordert. Die Bestände sollten in bestimmten Zeitabständen mit einer Stichprobeninventur vor Ort erfasst werden, so die Rechnungsprüfer in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages an - jetzt reagiert die Bundesbank.

"Ungeachtet der bestehenden Rechtsauffassung wird die Bundesbank Anregungen des Bundesrechnungshofs, soweit es möglich ist, aufgreifen", hieß es seitens der Bank. Wann und in welchem Umfang Prüfungen stattfinden sollen, ließ sie aber zunächst offen.

Der Bundesrechnungshof begründete die Kontrolle mit dem "hohen Wert der Goldbestände". Zudem seien die bei ausländischen Notenbanken gelagerten deutschen Reserven noch nie von der Bundesbank selbst oder durch andere unabhängige Prüfer "körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht" geprüft worden. Die Bundesbank hält eine solche Stichprobeninventur für unnötig und in den ausländischen Lagerstellen auch für unmöglich. Die seit Jahren angewandte Buchinventur und die ergänzenden Bestätigungen entsprächen gesetzlichen Vorschriften, argumentiert sie.

Der Bund der Steuerzahler stellt sich hinter Forderungen nach einer Kontrolle der im Ausland lagernden Goldreserven der Bundesbank. "Wir haben gerade eine Währungskrise und wir wollen Sicherheit. Und Sicherheit bietet Gold. Insofern sollte man nachschauen, wie schnell die Bundesbank auf diese Währungsreserve zurückgreifen kann", sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel. Die Informationen, wie viel Gold wo liege, müsse auch der Bundestag bekommen.

Hat die Bundesbank noch die Kontrolle über die Goldreserven?

Die Bundesbank besitzt - nach den USA - die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Ende 2011 waren es 3.396 Tonnen im Wert von 133 Milliarden Euro. Nach dem Höhenflug des Goldpreises dürften es aktuell 143 Milliarden Euro sein. Verwahrt werden die Barren von der Bundesbank in eigenen Tresoren in Frankfurt am Main sowie zu großen Teilen im Ausland: Bei der US-Notenbank Fed in New York, der französischen Nationalbank Paris und der Bank of England in London.

Der Rechnungshof hatte im Auftrag des Bundestags ermittelt, ob die Bundesbank ihre im Ausland lagernden Goldbestände auch genau prüft. Umstritten ist, ob die von der Bundesbank seit Jahren geübte Praxis ausreicht, sich auf eine schriftliche Bestätigung durch ausländische Notenbanken zu verlassen. Bei den Partnernotenbanken lagern neben den Bundesbank-Barren allerdings auch Bestände anderer Zentralbanken.

Einige Bundestagsabgeordnete sind daher misstrauisch und befürchten, dass es zu Verwechslungen kommen könnte. Kritiker glauben, die Bundesbank habe die Kontrolle über das Gold aus der Hand gegeben. In der aktuellen Krise dürfe es keinen Zweifel daran geben, dass die Bundesbank auch physisch über ihr Gold verfügen könne.

Verschwörungstheoretiker stellen die Frage, ob es die Goldreserven überhaupt noch gibt. Einige Abgeordnete wollten die im Ausland lagernden Barren prüfen beziehungsweise sehen - was ihnen verweigert wurde. Aber auch manche Experten monieren, die Bundesbank verletze Grundsätze einer ordnungsgemäßen Inventur und Buchführung.

"Angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden, hält es der Bundesrechnungshof daher handelsrechtlich für erforderlich, auch die bei ausländischen Notenbanken verwahrten Goldbestände in regelmäßigen Zeitabständen mittels geeigneter Stichprobenverfahren körperlich aufzunehmen", heißt es in dem Bericht.

Nach Angaben des Rechnungshofs will die Bundesbank in den kommenden drei Jahren jeweils 50 Tonnen des bei der Fed lagernden Goldes nach Deutschland bringen, um es zu prüfen.