Seehofer warnt vor Anschlägen in Deutschland

Nizza: Angreifer hatte Telefone und Messer in Rucksack - Suche nach Komplizen

30. Oktober 2020 - 8:47 Uhr

Tunesien soll nicht vor dem Gewalttäter gewarnt haben

Nach der brutalen Messerattacke in Nizza mit drei Toten und sechs Verletzten ist das Entsetzen groß. Polizisten schossen den Angreifer nieder, er liegt schwer verletzt im Krankenhaus. In seinem Rucksack hatte der Mann einen Koran, die Tatwaffe und mehrere Mobiltelefone. Anti-Terror-Ermittler wollen herausfinden, ob er möglicherweise von Komplizen unterstützt wurde. Unterdessen warnt Bundesinnenminister Seehofer vor islamistischen Anschlägen in Deutschland.

In Bari tauchte er ab

Attentat in der Basilika Notre Dame de Nice.
Polizisten sichern nach dem Attentat von Nizza die Basilika Notre Dame de Nice.
© imago images/PanoramiC, Norbert Scanella via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Attentäter kommt offenbar aus Tunesien und war im September über die italienische Insel Lampedusa eingereist. Er habe ein Dokument des Italienischen Roten Kreuzes bei sich getragen, das auf einen 1999 geborenen tunesischen Staatsbürger ausgestellt gewesen sei. Er sei im September über die italienische Insel Lampedusa eingereist, gab Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard bekannt. Am 9. Oktober soll er dann im süditalienischen Bari gewesen sein.

Italiens Behörden waren nach eigenen Angaben von Tunesien nicht vor dem Gewalttäter gewarnt worden. Aus dem Innenministerium in Rom verlautete, dass der Angreifer als ein 21-jähriger Tunesier identifiziert worden sei. Der Mann sei illegal auf Lampedusa angekommen. Nach italienischen Agenturberichten war er mit anderen Bootsmigranten dort an Land gegangen und im Oktober nach Bari gebracht worden. Dort soll er abgetaucht sein. Aus Quellen im Innenministerium in Rom hieß es nur, dem Tunesier sei am 9. Oktober ein Ablehnungsdekret für einen Verbleib geschickt worden. Er sei aufgefordert worden, Italien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen.

Seehofer: Gefahr durch islamistischen Terrorismus besteht unverändert

Nizza nach der Messerattacke
Anti-Terror-Ermittler wollen in Nizza prüfen, ob der Tatverdächtige Komplizen hatte.
© deutsche presse agentur

Die mörderische Attacke löste weltweit Entsetzen aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Tat als einen "Akt abscheulicher Gewalt" und betonte: "Der Gewalt und den islamistischen Motiven, die offenbar hinter ihr stehen, müssen wir mit aller Entschiedenheit entgegentreten." Bundesinnenminister Seehofer warnte: "Auch in Deutschland besteht die Gefahr durch den islamistischen Terrorismus unverändert fort - das hat uns erst kürzlich der Mord von Dresden (...) vor Augen geführt."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief die höchste Alarmstufe des nationalen Sicherheitssystems Plan Vigipirate aus. Soldaten sollen jetzt die öffentlichen Plätze der Republik schützen. Am Freitagvormittag will Macron in einem nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat über das weitere Vorgehen beraten. Der 42-Jährige hatte am Tatort von einem "islamistischen Terroranschlag" gesprochen und den Katholiken Unterstützung zugesichert.


Quelle: DPA/RTL.de