Taifun könnte nächste Wasserschlacht mit sich bringen

Lauda-Aufgabe, Hill-Sternstunde und ein tragischer Unfall - Die Regendramen des Japan-GP

9. Oktober 2019 - 19:36 Uhr

Hagibis heißt der von den Meteorologen als Super-Taifun eingestufte Wirbelsturm, der auf Japan zuhält und das Formel-1-Rennen in Suzuka zur Wasserschlacht machen könnte. Es wäre nicht das erste Mal, dass beim Japan-GP ein Unwetter tobt. RTL.de blickt zurück auf einige Regendramen im Land der aufgehenden Sonne.

Fuji 1976 – Niki Lauda hat genug

Obwohl er wegen seines Feuercrashs am Nürburgring mehrere Rennen verpasst hat, kommt Niki Lauda mit drei Punkten Vorsprung auf seinen Rivalen James Hunt zum Saisonfinale 1976 nach Fuji. Vieles spricht dafür, dass der Österreicher seinen zweiten WM-Titel mit Ferrari einfährt.

Am Renntag schüttet es zu Fuße des Fuji-Vulkans aber wie aus Kübeln – lange diskutieren Fahrer und Rennleitung über eine Absage. Die Befürworter des Regen-Wahnsinns setzen sich durch.​

Oct. 10, 1976 - Andretti wins japan GP, but Hunt wins world racing title: Despite suicidal weather James Hunt of Britain clinched the world racing drivers championship at the Fuji speedway in Colombo, as he drove his Melaren into third place in the J
Beim Japan-GP 1976 goss es in Strömen: Mario Andretti (Bild) gewann den Chaos-GP - Niki Lauda gab auf.
© imago/ZUMA/Keystone, imago stock&people

Lauda startet zwar, biegt aber nach nur zwei Runden in die Garage, steigt aus - und nicht wieder ein. "Es gibt Wichtigeres als eine Weltmeisterschaft. Zum Beispiel meinen Kopf, mein Leben", sagt er. Damit ist der Weg für Hunt frei, schon ein dritter Platz reicht dem Briten jetzt. Fünf Runden vor Schluss muss der in Führung liegende McLaren-Mann aber die Reifen wechseln, fällt auf Rang 5 zurück.

Also doch ein Happy End für Lauda? No! Wie entfesselt schnappt sich Hunt in der letzten Runde Clay Regazzoni und Alan Jones, erklimmt das Podest und gleichzeitig den Formel-1-Thron.

Suzuka 1994 – Damon Hills Sternstunde

86:81 liegt Michael Schumacher vor dem zweitletzten GP der Saison 1994 vor seinem Rivalen Damon Hill. Ein Sieg in Suzuka und der erste Titel ist Schumi praktisch nicht mehr zu nehmen. Zunächst läuft alles nach Plan: Schumacher rast im Benetton-Ford souverän auf Pole, brummt Hill (Williams-Renault) mehr als vier Zehntel auf.

Am Rennsonntag ist Land unter in Suzuka, in Bächen fließt das Wasser über die Achter-Piste. Schumacher und Hill surfen an der Spitze davon, dahinter geht's drunter und drüber. Trotz Gelber Flaggen kreiselt Martin Brundle im McLaren-Peugeot von der Strecke, kracht fast ungebremst in eine Unfallstelle. Ein Streckenposten bricht sich das Bein – mehr passiert zum Glück nicht.

Japan-GP 1994 in Suzuka
Michael Schumacher vor Damon Hill - am Ende eines dramatischen Japan-GP 1994 war die Reihenfolge umgekehrt
© Imago Sportfotodienst

Nach dem Brundle-Schock wird das Rennen unterbrochen, die Fahrer müssen ihre Boliden auf Start/Ziel parken. Schumacher auf 1, Hill auf 2. Gemäß den 94er Regeln wird das Rennen jetzt in zwei Teilen gewertet – die Abstände des ersten Rennteils werden nach der Schwarz-Weiß-Karierten Flagge mit den Abständen aus Teil 2 verrechnet. Schumacher geht mit einem Polster von 6,8 Sekunden in die zweite Suzuka-Regenrunde.

Hill muss alles riskieren, will er seine WM-Chance am Leben erhalten. Der Brite liefert und fährt das Rennen seines Lebens. Anders als "Regengott" Schumacher kommt er nur einmal an die Box und übernimmt so die virtuelle Führung. Der Deutsche hat durch die Strategie zwar ein leichteres Auto, kann aber nicht wie erwartet auf den entfesselten Hill aufholen.

Der Williams-Mann kommt 10,1 Sekunden vor Schumacher ins Ziel, weiß im Cockpit aber noch nicht, ob es reicht. "Haltet den Mund und sagt mir einfach, ob ich gewonnen habe", würgt Hill das Stimmen-Wirrwarr im Team-Radio rigoros ab.  Nach einer kurzen Kopfrechenphase bekommt er von Teamchef Frank Williams höchstpersönlich den erlösenden Funkspruch: "Ja, du hast gewonnen."

Mit dem vielleicht größten Sieg seiner Karriere verkürzt Hill seinen Rückstand in der WM auf einen Punkt. Der Rest ist Geschichte: Eine Woche später kollidieren Schumacher und Hill beim Saisonfinale in Adelaide, der Deutsche ist zum ersten Mal Weltmeister.

Suzuka 2014 – Das Drama um Jules Bianchi

Jules Bianchi ist in Suzuka schwer verunglückt. Foto: Valdrin Xhemaj
Jules Bianchi starb neun Monate nach seinem scheren Crash in Suzuka
© DPA

Zwanzig Jahre nach Hills Husarenstück regnet es wieder in Suzuka. Und wie. Sergio Perez schlittert schon in der Formationsrunde vom Asphalt, das Rennen wird zunächst hinter dem Safety Car gestartet.

Dass Lewis Hamilton danach seinem Mercedes-Rivalen Nico Rosberg auf nasser Piste eine Lehrstunde erteilt und gewinnt, wird zur Nebensache. Ein tragischer Unfall überschattet den Japan-GP 2014. Das Drama beginnt, als Adrian Sutil seinen Sauber in die Streckenbegrenzung setzt. Kein schwerer Crash. Der Abschleppkran rückt aus, um den Boliden zu bergen. Reine Routine.​

ARCHIV - Course marshalls and doctors at French Formula One driver Jules Bianchi of Marussia F1 Team crash site during the Japanese Formula One Grand Prix at the Suzuka Circuit in Suzuka, Mie Prefecture, central Japan, 05 October 2014. Photo: EPA/HIR
Bianchi rauschte in seinem Marussia in einen Abschleppkran, der dabei war, Adrian Sutils Auto zu bergen
© dpa, Hiroshi Yamamura

Das Safety Car bleibt allerdings in der Garage. Da passiert in Runde 41 das Unfassbare: Jules Bianchi fliegt an der gleichen Stelle ab und rauscht in seinem Marussia unter den Bergungskran. Bei dem Aufprall bricht der Überrollbügel des Boliden, Bianchi erleidet schwere Kopfverletzungen.

Der 25-jährige Franzose wird mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und notoperiert. Nach neun Monaten im Koma stirbt Bianchi im Juli 2015. Die Formel 1 ist geschockt. Bianchis Startnummer 17 wird nie mehr vergeben.