Nigeria: Opfer der Terrormiliz Boko Haram sind schwer traumatisiert

15. April 2016 - 13:32 Uhr

"Es wäre besser, wäre sie nicht zurückgekommen"

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass die Terrormiliz Boko Haram in Chibok (Nigeria) 219 Mädchen aus einer Schule entführte. Noch immer fehlt von ihnen jede Spur. Die nigerianischen Regierungstruppen sind in den vergangenen Monaten gegen die islamistischen Milizen vorgerückt und haben zahlreiche Städte zurückerobert. Doch die Folgen der Schreckensherrschaft von Boko Haram werden noch Generationen belasten, wie RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault berichtet.

Mädchen in Nigeria
Zwei Jahre nach der Entführung der Chibok-Mädchen kämpft Nigeria mit den Folgen des Boko-Haram-Terrors. (Motivbild)
© REUTERS, JOE PENNEY

Viele Dörfer sind dem Erdboden gleich gemacht. Boko-Haram-Anhänger haben zahllose Jungen und Männer ermordet, Frauen und Mädchen wurden entführt und vergewaltigt. "Ich sollte einen Boko-Haram-Kämpfer heiraten. Sie haben mich geschlagen, immer wieder", erzählt Gerida. Die Christin kam vor drei Wochen in Maiduguri an. Apathisch sitzt sie unter einem Baum. Wie lange sie von Boko Haram festgehalten wurde, kann sie nicht sagen. Soldaten haben sie bei der Eroberung eines Boko-Haram-Camps befreit.

Gerida wurde in ein Flüchtlingscamp gebracht, in dem auch ihre Mutter untergebracht ist. Fünf Jahre haben sich die beiden nicht gesehen. Doch das Wiedersehen nach so langer Zeit ist nicht einfach. "Sie ist nicht mehr sie selbst. Es wäre besser, wäre sie nicht zurückgekommen", meint die Mutter. Sie hat den Glauben an ihre Tochter verloren. Gerida war hoch-schwanger war, als man sie fand. Ein Baby hat sie aber nicht mit ins Camp gebracht.

"Es ist schmerzhaft, nicht zu wissen, wie es deiner Schwester geht"

Derartige Fälle gibt es derzeit im Nordosten Nigerias fast täglich. Die ungewollten Kinder Nigerias, sie sind die bisher am wenigsten beachtete Folge der grausamen Gewalt in dem westafrikanischen Land, meint Nicole Macheroux-Denault. Immer wieder verschwinden Mütter direkt nach der Geburt aus den Krankenhäusern. "Hier redet man nicht offen über Missbrauch oder die Kinder, die in Folge von Vergewaltigungen durch verschiedene bewaffnete Gruppen, inklusive Boko Haram, geboren werden", erklärt Franck Ndaie von UNICEF.

Über die entführten Chibok-Mädchen gibt es zahllose Gerüchte. Boko Haram habe sie zu Kämpfern und Selbstmordattentäterinnen ausgebildet, heißt es. auf die Frage ob Nigerias Regierung genug getan hat, um die Schülerinnen zu finden, antwortet Tabita Stower mit einem klaren Nein. Ihre Schwester ist eins der Entführungsopfer. "Es ist schmerzhaft, zwei Jahre lang nicht zu wissen, wie es deiner Schwester geht", sagt sie.

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