Gute Nachricht für Hunderte Eltern

Nach bewaffnetem Überfall: Entführte Schüler in Nigeria wieder frei

18. Dezember 2020 - 15:21 Uhr

Aufatmen nach Tagen des Hoffen und Bangens in Nigeria

Nach tagelanger Angst können Hunderte Eltern in Nigeria aufatmen: Ihre Kinder, die von einer Gruppe bewaffneter Angreifer verschleppt wurden, sind wieder frei. Die erlösende Nachricht kam am 17. Dezember in den Spätnachrichten des Staatsfernsehens. "Ich habe mit einem meiner Söhne telefoniert, er klang sehr erschöpft", erklärte Salisu Masi, dessen zwei Söhne unter den vermissten Schülern waren.

Terrorgruppe überfiel Schule mit 800 Schülern

Die Jungen waren vor einer Woche aus der Oberschule in Kankara in der Nordregion Katsina von Extremisten entführt worden. Gegen Mittag trafen sie am Sitz der Landesregierung ein - einige trugen noch immer ihre Schuluniformen. Viele von ihnen wirkten nach dem, was sie erlebt hatten, sichtlich ermattet und traumatisiert.

"Ich kann es kaum erwarten, meinen Sohn wiederzusehen; uns wurde gesagt, dass der Gouverneur sie vor ihrer Freilassung erst noch mal medizinisch untersuchen lassen will", sagte Mustapha Gagariga der Deutschen Presse-Agentur, bevor er sich auf den Weg aus seinem Dorf nach Katsina machte. Auch andere Eltern fieberten am Freitag in banger Erwartung dem Wiedersehen mit ihren Kindern entgegen.

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Nach Angriff auf Schule in Nigeria - Freilassung von Schülern
© dpa, Sunday Alamba, SA rac lop

Entführte Schüler sind wieder frei

Was genau die Jungen durchgemacht haben, ist noch unklar. Unmittelbar vor deren Freilassung war noch ein Video in den sozialen Medien des Landes aufgetaucht, das verängstigt blickende, staubbedeckte Schüler vor einem bewaldetem Gebiet zeigte. Auf dem mehrminütigen Video war die Stimme eines Unbekannten zu hören, der an die Adresse der Provinzregierung betont: "Sie sind bei guter Gesundheit - schaut sie euch an."

In einer Audio-Botschaft hatte sich die sunnitische Terrorgruppe Boko Haram zu der Tat bekannt. Man habe die Kinder entführt, weil sie islamfeindlich und westlichen erzogen würden. Bei früheren Entführungen waren die verschleppten Opfer ebenfalls öffentlich vorgeführt worden, um Forderungen nach Lösegeld durchzusetzen. Es ist eine wichtige Finanzierungsquelle der Terror-Organisation. Warum die Jungen in diesem Fall so plötzlich freigelassen wurden, ist noch unklar.

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© dpa, Sunday Alamba, SA rac lop

Boko Haram entführt immer wieder Menschen

Der Überfall auf die Kankara-Schule mit ihren insgesamt rund 800 Jungen hatte zu Protesten der Bevölkerung sowie Lehrergewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen geführt. Schulen in fünf Bundesstaaten des westafrikanischen Landes blieben mit Hinweis auf die Sicherheitslage, aber auch Corona-Bestimmungen geschlossen.

Der Internationale Strafgerichtshof hatte erst vor einer Woche die Eröffnung eines Ermittlungsverfahren gegen Boko Haram, aber auch gegen Nigerias Sicherheitstruppen angekündigt. Es gebe genug Hinweise, so Chefanklägerin Fatou Bensouda, dass Mitglieder von Boko Haram schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hätten. Dazu gehörten unter anderem Mord, Vergewaltigung, Versklavung, Folter und Geiselnahme.

Fall erinnert an die Schülerinnen von Chibok

Zu den Taktiken von Boko Haram zählen neben Angriffen auf Schulen und der Verschleppung von Kindern auch die Rekrutierung und der Einsatz von Kindersoldaten sowie die Zwangsverheiratung von Mädchen und jungen Frauen. "Boko Haram foltert Kinder mit Schlägen und Auspeitschungen und zwingt sie, öffentliche Bestrafungen und Hinrichtungen anzusehen", schrieb die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nach der Befragung Dutzender geflohener Opfer.

Die Vorgehensweise bei der Attacke war die Gleiche wie einen Monat zuvor im Bundesstaat Borno, als 110 Männer und Frauen bei der Ernte brutal getötet wurden. Bewaffnete Männer auf Motorrädern schossen mit Sturmgewehren in Kankara wild um sich. Im April 2014 hatten sie auf ähnliche Weise aus einer Schule in Chibok (Bundesstaat Borno) 276 Mädchen entführt. Viele werden bis heute noch vermisst.

Quelle: RTL.de/DPA