UNICEF sieht schwere Kinderrechtsverletzung

Nigeria: 13-Jähriger wegen Gotteslästerung zu zehn Jahren Haft verurteilt

In Nigeria wurde ein 13-Jähriger zu zehn Jahren Haft verurteilt. (Foto: Motivbild)
In Nigeria wurde ein 13-Jähriger zu zehn Jahren Haft verurteilt. (Foto: Motivbild)
© Olukayode Jaiyeola/NurPhoto/picture alliance

17. September 2020 - 17:30 Uhr

Er soll sich in einem Streit abfällig über Allah geäußert haben

In Nigeria wurde ein 13 Jahre alter Junge zu zehn Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. Der Junge wurde bereits August wegen Blasphemie von einem Scharia-Gericht schuldig gesprochen. Er soll sich in einem Streit mit einem Freund abfällig über Allah geäußert haben. Das Kinderhilfswerk UNICEF sieht in dem Urteil eine schwere Rechtsverletzung.

Kinder einzusperren verstößt gegen nigerianisches Recht

"Es missachtet alle zugrundeliegenden Prinzipien von Kinderrechten", erklärte Peter Hawkins von UNICEF in einer Pressemitteilung. Nigeria und auch der Bundesstaat Kano, in dem der 13 Jahre alte Omar vor Gericht stand, hätten diese Rechte unterzeichnet. Auch der Anwalt des Jungen ist laut dem Sender CNN der Ansicht, dass es gegen nigerianisches Recht verstößt,einen Jungen in dem Alter wegen Gotteslästerung ins Gefängnis zu stecken.

Weder der Anwalt Kola Alapinni, noch seine Mitarbeiter, die mit dem Fall betraut seien, wären bisher überhaupt zu dem Jungen vorgelassen worden, um mit ihm zu sprechen. Alapinni sagte in dem CNN-Interview, dass er zufällig auf den Fall gestoßen sei, als er sich mit dem Fall eines anderen Angeklagten beschäftigte, der vom gleichen Gericht wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde.

Im Norden Nigerias wird oft auch die Scharia angewendet

"Gotteslästerung wird vom nigerianischen Gesetz überhaupt nicht anerkannt", erklärte der Anwalt dem US-Sender. Doch im Bundesstaat Kano werden neben den nigerianischen Gesetzen parallel auch noch die Gesetze der Scharia angewandt. Im Norden von Nigeria ist die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch.

Auch UNICEF rief die Regierung auf, sich der Sache anzunehmen und den Minderjährigen angemessen zu schützen. Für seine Familie ist der Fall bereits jetzt eine Katastrophe. Die Mutter des Jungen musste bereits in eine andere Stadt flüchten, weil ein wütender Mob sie nach der Verhaftung ihres Sohnes von zu Hause verjagt habe, sagte der Anwalt dem Sender CNN.