Pläne für die Öffnung von Schulen nach den Ferien

Niedersachsen will möglichst normalen Unterricht nach den Ferien

Unterricht in der Grundschule
© dpa, Friso Gentsch, frg jol

07. Juli 2020 - 15:45 Uhr

Schule soll nach den Ferien so normal wir möglich starten

So normal wie möglich sollen Niedersachsens Schüler nach den Sommerferien trotz Corona-Pandemie wieder zur Schule gehen können. Das heiße Schule wie immer - mit einigen Sonderregeln, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Dienstag. Das Schuljahr 2020/2021 solle mit "so viel Normalität wie möglich und so viel Gesundheitsschutz wie nötig" starten, sagte der SPD-Politiker. Je nach Infektionsgeschehen soll eines von drei Szenarien greifen, diese würden alle zwei Wochen überprüft: Sogenannter "eingeschränkter Regelbetrieb", Kombination von Präsenz- und Onlineunterricht oder Quarantäne und Schulschließungen. Schulen erhalten Leitfäden dazu.

Vom "Prinzip Hoffnung" sprachen die Grünen daraufhin: Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin, erklärte: "Es ist schon zynisch und dreist, den Schulen eine Woche vor Ferienbeginn drei Szenarien auf den Tisch zu legen und dieses späte Handeln als Schritt zur Planungssicherheit für die Schulen zu beschönigen." Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrats, forderte vor allem den direkten Kontakt von Lehrern und Schülern.

Verschiedene Szenarien je nach Corona-Situation

Das Szenario A sei "nah an Schule, so wie wir sie aus der Vor-Corona-Zeit kennen", sagte Tonne. Niedrige Infektionszahlen dürften dies möglich machen, meinte er - mit der Umsetzung rechne er mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit". Auf einen Mindestabstand werde verzichtet, feste Lerngruppen seien vorgesehen, maximale Bezugsgröße sei der jeweilige Schuljahrgang. Schutzmasken sollen in den Klassen räumen nicht nötig sein, wohl aber auf den Fluren und auf dem Schulhof, wenn dort Schüler dicht an dicht unterwegs seien. Denkbar seien versetzte Pausenzeiten.

"Der Pflichtunterricht hat höchste Priorität im nächsten Schuljahr", betonte Tonne. Erst wenn die Pflichtstunden abgesichert seien, sollten Lehrer für Arbeitsgemeinschaften oder Ganztag eingeplant werden, AG's könnten zugunsten von Förderunterricht umgewidmet werden. Ganztagsbetrieb solle möglich sein, allerdings möglicherweise nicht vergleichbar mit dem Vor-Corona-Angebot - dafür aber richteten sich die Angebote an Schülerinnen und Schüler von jeweils bis zu zwei Jahrgängen. Sollten Lehrer ausfallen, könnten die Jahrgänge 7 bis 13 teils wieder zum Lernen zu Hause zurückkehren.

Szenario B greift, wenn wieder mehr Infektionan auftreten

Szenario B: Welches Szenario angewandt wird, darüber entscheidet das jeweilige örtliche Gesundheitsamt - und im Falle der gefürchteten zweiten Welle von Covid-19 das Land Niedersachsen. Sollte sich die Infektionslage verschlechtern, gilt nach Tonnes Worten zunächst Szenario B - eine Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause. Das wäre dann - mehr oder weniger - der Status quo der vergangenen Monate. In diesem Fall wären maximal 16 Schüler im Präsenzunterricht, es gelte ein Mindestabstand von 1,50 Metern und abwechselnd Präsenz- und Heimunterricht. In Berufsschulen soll ein gewisser Anteil des sogenannten «Distanzlernens» Pflicht werden.

Szenario C tritt im Falle lokaler oder landesweiter Schulschließungen und Quarantäne in Kraft, Anzeichen für flächendeckende Schulschließungen gebe es aber bisher nicht, betonte Tonne. Im Fall eines Krankheitsausbruchs könne das jeweilige Gesundheitsamt ganze Schulen schließen oder einzelne Jahrgänge oder Klassen in Quarantäne schicken - die Schülerinnen und Schüler müssen dann aber zu Hause lernen. Sowohl vier Wochen als auch zwei Wochen vor Schulstart prüften Kultusministerium sowie Landesgesundheitsamt und Gesundheitsministerium das Infektionsgeschehen, sagte Tonne.

Niedersachsen: Jeder zehnte Lehrer gehört zur Risikogruppe

Rein rechnerisch und entsprechend ihrem Alter zählten etwa zehn Prozent der Lehrer zur Risikogruppe, erklärte der Minister. Gebe es jedoch keine Infektionen, bestehe auch kein Risiko. Auch beriefen sich längst nicht alle Betroffenen darauf, zur Risikogruppe zu zählen: "Darauf hoffen wir", sagte Tonne. Es müsse immer der jeweilige Einzelfall angesehen werden, die Zugehörigkeit zur Risikogruppe müsse mit ärztlichem Attest nachgewiesen werden. Blieben Lehrer im Homeoffice, müssten sie beispielsweise Videokonferenzen, die Betreuung von Schülern beim Lernen zu Hause oder Korrekturen übernehmen. Ausbrüche der Krankheit wie in Göttingen oder Gütersloh zeigen laut Tonne aber: «Mit dem Restrisiko müssen wir leben."