Sie bedeckt eine Fläche von mehr als 280 Fußballfeldern

Schlauchalge macht sich in unserem Wattenmeer breit

Das Wattenmeer der Nordsee.
Das Wattenmeer der Nordsee.
© deutsche presse agentur

22. Dezember 2020 - 7:26 Uhr

Schlauchalge schadet dem Ökosystem im Wattenmeer

Eine eingeschleppte Algenart hat sich im norddeutschen Wattenmeer ausgebreitet und könnte dem dortigen Ökosystem massiv schaden. Die Schlauchalge "Vaucheria velutina" sei im vergangenem Sommer erstmals vor Sylt entdeckt worden, teilte die Universität Göttingen mit. Sie bedecke schon jetzt eine Fläche von mehr als 280 Fußballfeldern. Entdecker der Alge ist Professor Karsten Reise vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Er sagte der DPA: "In meinen fast 50 Jahren als Wattforscher habe ich so eine rasante Ausbreitung einer neuartigen Alge noch nicht erlebt."

Schlauchalge durch Austern eingeschleppt

Die Schlauchalge könnte das Wattenmeer stark gefährden, weil feiner Schlick, der durch die Flut angeschwemmt wird, an den dichtgewachsenen Algenfäden am Boden hängenbleiben könnte und somit die unterirdischen Gänge der Wattwürmer verstopft.

Laut Karsten Reise könnte die Algenart durch importierte pazifische Austern eingeschleppt worden sein. Diese werden im Wattenmeer bei Sylt in Netzbeuteln gehalten, bis sie groß genug sind. Ob die momentane kalte Jahreszeit das Wachstum der Alge stoppen kann, sei bisher noch unklar.

"Alge des Jahres 2021"

Falls das Wachstum der Alge nicht zu stoppen sei, könnte das große Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Bodens haben, der momentan eh schon dem Klimawandel ausgesetzt ist und sich eigentlich dem steigenden Meeresspiegel anpassen kann, wie Professor Karsten Reise der DPA berichtet: "Im Verlauf von nur einem Sommer hat sich ein weiches Schlickpolster aufgeschichtet, das bis zu zwanzig Zentimeter höher als das umgebende Sandwatt ist. [...] Unter der Oberfläche ist der weiche Schlick tiefschwarz und dünstet faulig riechenden Schwefelwasserstoff aus."

Die Sektion Phykologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft wählte die «Vaucheria velutina» sogar zur "Alge des Jahres 2021". Gründe dafür seien ihre "plötzliche Dominanz" und die "unabsehbaren ökologischen Folgen", die ihre Anwesenheit im Watt mit sich bringen könnte.

Quelle: DPA / RTL.de