Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann zum "Lockdown Light"

"Kontaktreduzierung ist wirklich das Gebot der Stunde"

Gesundheitsministerin Carola Reimann im Interview.
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29. Oktober 2020 - 17:54 Uhr

Restaurants und Co. als Verlierer des "Lockdown Light"

Besonders die Gastronomie leidet unter den verschärften Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die am Mittwoch (28. Oktober 2020) in Berlin beschlossen wurden. Ab dem 2. November 2020 müssen Cafés, Restaurants und Kneipen vorübergehend wieder schließen.

Im RTL Nord-Interview äußert sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) zu den Maßnahmen.

Kontaktreduzierung das Gebot der Stunde

Viele Gaststätten haben in der Vergangenheit Hygienekonzepte entwickelt und finden es ungerecht, dass gerade sie jetzt schließen müssen, was sagen Sie den Gastronomen?

Carola Reimann: "Dass wir uns in einer außerordentlich ernsten Situation befinden und dass Kontaktreduzierung das Gebot der Stunde ist. Und wenn man die Bildung und Erziehung auf lassen möchte und das ist das erklärte Ziel aller, dass wir Schulen, Kitas und Krippen auf lassen, dann müssen wir, so schwer es uns fällt, den gesamten Freizeitbereich herunterfahren. Dazu gehören alle Dinge, die nicht lebensnotwendig sind und die im Freizeitbereich und im privaten Bereich dann unternommen werden. Kontaktreduzierung ist wirklich das Gebot der Stunde."

10 Milliarden Euro Corona-Ausgleich

Es sind nicht nur Gastronomen vom Lockdown betroffen, sondern auch Kosmetikerinnen, Theater, Kinos: Wird es da Entschädigungen geben?

Carola Reimann: "Wir sehen, dass die Branchen auch große Nöte haben und deswegen wird es ein sehr großzügiges Ausgleichsprogramm geben. 75 Prozent des Umsatzes sind angedacht. Das ist das, was die Ministerpräsident*innen mit der Kanzlerin besprochen haben und der Wirtschaftsminister wird mit dem Finanzminister die Details bis zum Wochenende klären. Zehn Milliarden Euro stehen dafür zur Verfügung, weil wir sehen, dass es da durchaus Nöte gibt und wir auch verstehen können, dass sie sich wirklich große Sorgen machen. Aber infektiologisch, das will ich einfach sagen, ist es erforderlich, dass wir jetzt diese Kontakte dramatisch reduzieren, weil nur so kann man diese galoppierende Infektionslage wieder eindämmen."

Nächsten Wochen entscheidend

Es ist nicht damit zu rechnen, dass nach dem Lockdown wieder alles gut ist. Wie wird es dann weitergehen, gibt es da schon Konzepte?

Carola Reimann: "Die nächsten Wochen werden wirklich entscheidend sein. Die Kontaktreduzierung ist absolut notwendig und der solidarische Verzicht von uns allen ist wirklich erforderlich, um die Infektionen wieder einzudämmen. Und dann hoffentlich in eine stabile Adventszeit und dass wir hoffentlich alle ein gutes Weihnachten haben. Im Moment ist es wirklich so besorgniserregend, dass die Krankenhauskapazitäten zwar zur Zeit noch nicht überlastet sind, aber bei den Verdopplungszahlen, die wir zur Zeit haben, müssen wir damit rechnen, dass wir in wenigen Wochen an den Kapazitätsgrenzen sind."

Weihnachten unter Corona

Im Moment sind die Kontakte ja ziemlich eingeschränkt, inwieweit wird es denn möglich sein, Weihnachten auch im größeren Familienkreis zu verbringen?

"Das wird wirklich davon abhängen, wie gut das funktioniert und wie gut es gelingt, das wirklich alle mitziehen. Die Verordnung ist das eine, aber es bedarf wirklich des solidarischen Miteinanders und des solidarischen Verzicht von uns allen."