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Nico Rosberg vs. Lewis Hamilton: Wer hat beim WM-Kampf in Brasilien die besten Karten?

Nico Rosberg vs. Lewis Hamilton: Wer hat beim WM-Kampf in Brasilien die besten Karten?

Durch seine souveränen Siege in den USA und Mexiko hat Lewis Hamilton den WM-Kampf in der Formel 1 mit Silberpfeil-Rivale Nico Rosberg nochmal so richtig spannend gemacht. Noch immer aber liegt Rosberg in der WM komfortable 19 Punkte vor dem Titelverteidiger. Schon beim kommenden Rennen in Brasilien kann sich der 31-Jährige mit einem Sieg erstmals zum Champion der Königsklasse krönen. Den Siedepunkt erreicht der Titelfight aber auch, weil Red Bull die sonst so dominierenden Mercedes-Boliden im Saisonendspurt mächtig unter Druck setzt. Grund genug, die Vor- und Nachteile der WM-Rivalen vor dem Brasilien-GP auf der welligen Piste Sao Paulos unter die Lupe zu nehmen.

Das spricht für Hamilton

DIE FORM

Der Brite ist in einer bestechenden Form, war bei den Rennen in Austin und Mexiko-Stadt vom Speed her unantastbar. Obwohl Rosberg konstant schnell unterwegs war, hatte der Deutsche gegen Hamilton nicht den Hauch einer Chance. In dieser Verfassung hat der dreimalige Champion auch beste Chancen, erstmals in Brasilien ganz oben auf dem Podest zu stehen.

DIE ROLLE DES JÄGERS

Hamilton ist meist dann am stärksten, wenn er bedingungslos attackieren muss. Im Angriffs-Modus scheint der 31-Jähriger noch fokussierter, erlaubt sich kaum einen Fehler. Außerdem hat Hamilton nichts mehr zu verlieren. Mit seinen drei Titeln im Rücken kann er alles riskieren, während Rosberg als Führender der Gesamtwertung eher Vorsicht walten lassen muss.

DIE ERFAHRUNG

Zwar hat auch Rosberg in den vergangenen Jahren seine Erfahrungen im Kampf um einen WM-Titel gesammelt. Da das Rennen aber meist eindeutig zugunsten Hamiltons verlief, ist der Erfahrungsschatz des Vize-Weltmeisters begrenzt. Hamilton dagegen hat zwei an Dramatik kaum zu überbietende WM-Entscheidungen hinter sich (2007 und 2008), die seine Nerven gestählt haben. Ein Vorteil, wenn es hart auf hart kommt.

RED BULL ALS 'PUNKTELIEFERANT'

Die 'Bullen' sind Mercedes in der letzten Phase der Saison mächtig auf die Pelle gerückt. Ein Umstand, der Hamilton in seiner momentanen Topform zum Vorteil gereichen könnte. Nimmt der Brite seinen überragenden Speed der letzten Wochen mit und dominiert das Rennen von der Spitze, könnten dahinter die Red-Bull-Piloten dem 'auf Sicht fahrenden' Rosberg das Leben schwer machen und dem Spitzenreiter womöglich wichtige Punkte klauen. Zudem droht Rosberg – siehe Mexiko-Stadt – Gefahr durch den teilweise überaggressiven Max Verstappen. Während Hamilton in Mexiko vorne einsam seine Kreise zog, musste sich Rosberg mit dem 19-jährigen Holländer abplagen. Der 'Jung-Bulle' kostete dem Mercedes-Piloten mit einem Harakiri-Manöver in Kurve 1 sogar fast das Rennen. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Das spricht für Rosberg

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2015 war für Lewis Hamilton (vorne links) in Brasilien kein Vorbeikommen an Nico Rosberg (r.)
imago/HochZwei, imago sportfotodienst

DIE ARITHMETIK

Kein Zweifel: Hamilton trauert noch immer den Punkten hinterher, die er zu Saisonbeginn und direkt nach der Sommerpause durch technische und fahrerische Fehler verloren hat. Rosbergs Vorsprung von 19 Punkten ist bei einem Gegner wie Hamilton zwar beileibe kein Ruhekissen, komfortabel ist das Polster bei noch zwei Rennen aber allemal. Gewinnt der Deutsche in Brasilien, ist sein erster Titel eingetütet. Eine Aussicht, die Rosberg zusätzlich motivieren dürfte. Gewinnt er nicht, ist dies für Rosberg auch kein Drama. Selbst wenn Hamilton in Brasilien und beim Saisonfinale in Abu Dhabi gewinnt, reichen Rosberg ein zweiter und ein dritter Platz zur WM-Trophäe.

SAO PAULO

Einen besseren Zeitpunkt für den Brasilien-GP könnte es für Rosberg gar nicht geben: Der 23-malige Grand-Prix-Sieger liebt die hügelige Piste vor den Tore Sao Paulos, gewann hier 2014 und 2015 vor seinem Silber-Rivalen und holte auch jeweils die Pole. Ein psychologischer Vorteil. Rosberg weiß: Fährt er ähnlich stark wie in den vergangenen Jahren, hat er beste Sieg- und damit Titelchancen. Hamilton dagegen hat mit Brasilien traditionell seine liebe Müh und Not, durfte noch nie vor den Samba-Fans den Sieger-Champagner genießen.

DIE ABGEKLÄRTHEIT

Rosberg fährt eine unglaublich konstante Saison und leistet sich fast keine Schnitzer. Auch wenn er kein perfektes Wochenende hinlegt, sammelt Rosberg Punkte wie ein Eichhörnchen seine Winternüsse. Der WM-Führende holt stets das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus. Beispiel Mexiko: Rosberg ließ sich weder von Hamiltons Stärke, noch seiner eigenen Schwäche in den Trainings aus der Ruhe bringen und brillierte, wenn es drauf ankam – nämlich im Qualifying, als er auf der letzten Rille hinter Hamilton in die erste Reihe raste, was es ihm ermöglichte, seine WM-Führung durch Rang 2 letztlich souverän zu behaupten. Auch im Rennen behielt Rosberg jederzeit die Kontrolle, wehrte die ungestümen Attacken Verstappens ganz besonnen ab. Kurz: Er legte eine weltmeisterliche Abgeklärtheit an den Tag, die er in den vergangenen Jahren in den entscheidenden Momenten oft vermissen ließ.