Nichts geht mehr bei der Lufthansa: Der Streik läuft

22. April 2013 - 17:43 Uhr

Streik: Bodenpersonal macht ernst

Das Bodenpersonal macht ernst, bei der Lufthansa geht heute fast gar nichts. Ein bundesweiter Warnstreik begann heute morgen mit Schichtbeginn. Die Fluggesellschaft hatte im Vorfeld fast alle Flüge gestrichen. Die Lufthansa-Kunden sollen, so es denn geht, auf die Bahn ausweichen und bekommen kostenlose Tickets dafür.

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Leere Schalter, leere Hallen: Warnstreik bei der Lufthansa.
© dpa, Tobias Hase

Das befürchtete Chaos wegen des Streiks blieb bisher aus. Die Strategie der Lufthansa, die Fluggäste per Email oder SMS über den Arbeitsausstand zu informieren, ging auf - nur wenige hatten sich überhaupt zum Airport aufgemacht.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr haben mehrere tausend Lufthansa-Beschäftigte mit ihren Arbeitsniederlungen den Flugreiseverkehr in Hamburg massiv beeinträchtigt. Dem ganztägigen Protest des Bodenpersonals schlossen sich Techniker und Angestellte anderer Lufthansa-Betriebe an. Rund 4.000 kamen nach Polizei-Angaben allein in Hamburg bei einer Kundgebung zusammen.

Bundesweit wird heute kaum ein Lufthansa-Flugzeug abheben. Von insgesamt 1.720 geplanten Verbindungen sollen nur 32 starten. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen.

Verdi fordert 5,2 Prozent mehr Geld und Jobgarantien

Gegen 4.00 Uhr legte das Bodenpersonal der Airline am Stuttgarter Flughafen die Arbeit nieder. "Hier ist bisher kein Schalter besetzt", sagte Bernd Köster von der Gewerkschaft. In der Nacht war der Warnstreik bereits an Standorten der Lufthansa Technik angelaufen.

Auf den meisten Flughäfen in Deutschland starteten die Warnstreiks des Bodenpersonals gegen 5.00 Uhr. Auch am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt blieben die Schalter am Morgen leer, wie Gerold Schaub von Verdi Frankfurt sagte. Großer Andrang herrschte zunächst nicht. "Das Terminal ist fast leer, weil die meisten Passagiere wohl darauf vorbereitet waren."

Bei der Bahn, die den Passagier-Andrang auffangen soll, ist die Lage entspannt. "Wir haben ein leicht erhöhtes Fahrgastaufkommen", sagte ein Bahnsprecher. Reservezüge seien zwar bereitgestellt, mussten aber noch nicht eingesetzt werden.

Verdi fordert im Tarifkonflikt mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien für rund 33.000 Mitarbeiter. Lufthansa hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig.

Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen. Am 21. März waren bei einem kürzeren Warnstreik bundesweit 700 Flüge ausgefallen. Die nächste Verhandlung zwischen den Tarifparteien steht am 29./30. April an.