Nicht tot zu kriegen: Das Interview mit Jochen Busse

Jochen Busse spielt in der RTL Sitcom "Nicht tot zu kriegen" den griesgrämigen Villenbesitzer Helmut Kraft
Jochen Busse spielt in der RTL Sitcom "Nicht tot zu kriegen" den griesgrämigen Villenbesitzer Helmut Kraft
© Die Höhle des Löwen , RTL / Michael Böhme

27. Januar 2017 - 11:17 Uhr

Jochen Busse im Interview

Nach zehn Jahren TV-Abstinenz spielt Jochen Busse in der RTL Sitcom "Nicht tot zu kriegen" den griesgrämigen Villenbesitzer Helmut Kraft. Wir haben Jochen Busse getroffen und nachgefragt.

Jochen Busse im Interview

RTL: Herr Busse, 10 Jahre Fernsehabstinenz. Jetzt sind Sie zurück – wie kommt's?

Jochen Busse: Eigentlich auf ganz normale Weise, man bekommt ein Buch zugeschickt und die Anfrage, ob man bereit wäre, ein Casting zu machen – wie man das heute so schön nennt. Früher nannte man das Vorsprechen. Und dann lernt man das brav auswendig und fährt zu dem "Caster". Wenn ein Pilot dann doch akzeptiert wird – und das weiß ich ja nun schon aus langjähriger Erfahrung – dann hat man auch zugesagt für eine weitere Folge respektive Staffel. Und so bin ich jetzt wieder im TV zu sehen.

RTL: Vorsprechen heißt heute also Casting - Hat sich denn auch inhaltlich etwas verändert?

Jochen Busse: Es wird entschieden schneller gedreht. Es gab ja früher den sogenannten Fusselcheck. Nach jeder Aufnahme musste man schauen, ob irgendwo durch Abrieb des Materials ein Fussel entstanden war – das gibt's gar nicht mehr. Früher war das Material wahnsinnig teuer, das heißt, man musste sich als Schauspieler zusammenreißen, je weniger Aufnahmen man brauchte, desto mehr sparte der Produzent!

RTL: Gibt es denn auch Dinge, die früher einfach besser liefen?

Jochen Busse: Also, ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen "Früher war alles besser". Das habe ich mir schon als Junge geschworen, denn auch damals sagten die Älteren schon, dass damals alles besser war. Aber ich höre es oft, ja.

RTL: Der Humor der Serie ist britisch schwarzhumorig angehaucht – Ihre Art von Humor?

Jochen Busse: Nein, ursprünglich gar nicht. Man tut immer so, als ob die Briten so ein Understatement hätten. Das ist überhaupt nicht wahr. Die hauen fürchterlich auf den Putz! Wenn Sie sich John Cleese anschauen, mit dem ich auch persönlich bekannt bin und mit dem ich auch beruflich zu tun hatte – auch für RTL übrigens – da entgleitet dem ein oder anderem schon der Gesichtsausdruck. Das Englische daran ist wirklich das Schwarze - eine andere Beziehung zu all den Dingen zu haben, die bei uns mit "Pietät" bedacht sind. Und das ist bei "Nicht tot zu kriegen" auch der Fall, das liegt aber einfach an der Herangehensweise. Es wird eine Situation dramaturgisch zugrunde gelegt, die solche Dinge zulässt. Und dadurch finde ich es auch nicht so makaber, wie es beim schwarzen Humor eigentlich üblich ist. Der Humor dieser Sitcom liegt darin, zu sehen, was mit Menschen passiert, die unter Druck stehen. Und ich übe auf diese jungen Mitmenschen, die in meinem Haus wohnen, einen unglaublichen Druck aus. Die würden Dinge einfach nicht tun, wenn ich nicht da wäre.

RTL: Charakterisieren Sie doch einmal Ihre Sitcom-Figur Helmut Kraft.

Jochen Busse: Ja, das ist ein Arschloch.

RTL: Gibt es trotzdem Parallelen zwischen Ihnen und Ihrer Figur?

Jochen Busse: Ja. Beide freuen sich, wenn etwas gelungen ist.

RTL: Warum wird der Zuschauer vom Kräftemessen dieser beiden Generationen begeistert sein?

Jochen Busse: Weil es die Zuschauer selbst betrifft. Es spielt in unserer Zeit und das Spannende daran ist, dass es in dieser Zeit Überbleibsel älterer Generationen, wie Herrn Kraft gibt, der ganz andere Ansprüche an seine Mitmenschen stellt.

RTL: Stichwort Generationenkonflikt – ein Thema, das Sie auch abseits Ihrer Rolle erleben?

Jochen Busse: Ich habe zum Glück keinen Konflikt damit, aber ich merke, dass es Dinge gibt, über die man sich erst einigen muss.

RTL: Was unterscheidet "Nicht tot zu kriegen" von anderen Sitcoms?

Jochen Busse: Es gibt nichts Vergleichbares zu "Nicht tot zu kriegen". Man kann nicht sagen: "Die Sitcom ist wie…" Ich kenne das bereits seit ich im Fernsehen spiele. Man konnte immer sagen: "Das ist wie…". "Nicht tot zu kriegen" ist neu, obwohl es alltäglich ist.

RTL: Wie arbeitet es sich mit ihrer Kollegin Caroline Frier?

Jochen Busse: Caroline Frier lebt von einer ursprünglichen Naivität. Ein Schauspieler, der naiv bleibt, obwohl er so viel gemacht hat. Das ist herrlich. Caroline Frier spuckt die Sätze aus als wären es ihre persönlichen. Und so geht sie auch durch diese Serie. Sie ist die einzige, die nah dran ist, diesen Herrn Kraft zu durchschauen - und trotzdem lebt sie von dieser Hoffnung, dass vielleicht doch etwas Gutes in ihm steckt.

RTL: Kann man als alter Hase im Schauspielgeschäft auch von jüngeren Kollegen lernen?

Jochen Busse: Ja. Den Mut, Schauspieler zu werden und sich auch mal durchzusetzen. Damals, als ich noch ein junger Schauspieler war und eine ältere Person gegen mich war – und sie konnte noch so schlecht in meinen Augen sein – war sie eine Autoritätsperson. Aber ich meine auch, dass die jungen Leute dieses Problem heute gar nicht mehr haben.