Rettung am Beispiel Neuseelands?

Regierungen werben für Inlandstourismus

Der Ostseestrand bei Haffkrug
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo cul

21. Mai 2020 - 8:26 Uhr

Pandemie sorgt für Umsatzeinbrüche

Die Gastronomie- und Tourismusbranche erleidet in der Corona-Krise einen herben Umsatzeinbruch. Nur langsam rappelt sie sich wieder auf die Beine. In einigen Ländern helfen die Regierungschefs deshalb mit kreativen und gleichzeitig ungewöhnlichen Lösungen nach.

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Die Zahlen malen ein düsteres Bild. Die Betriebsschließungen wegen der Corona-Pandemie sorgen im Gastgewerbe für leere Kassen: Die Erlöse in Restaurants und Hotels fielen in Deutschland im März binnen Jahresfrist um rund 45 Prozent und damit so stark wie seit mindestens 26 Jahren nicht mehr, teilt das Statistische Bundesamt mit. Im April dürften die Einnahmen noch mehr gesunken sein. Ab dem 18. März waren Übernachtungen touristischer Gäste in Hotels verboten und ab dem 22. März alle Gaststätten mit Ausnahme von Abhol- und Lieferservices ganz geschlossen. Unterdessen wirbt Außenminister Heiko Maas pünktlich zum Sommerurlaub für offene europäische Grenzen. Doch was ist mit den heimischen Hotels und Gaststätten? Statt im Ausland Urlaub zu machen, werben in anderen Ländern die Regierungschefs für mehr heimischen Tourismus, um die eigene Wirtschaft zu stärken.

Werbung für Heimaturlaub: Vorbild Neuseeland?

Prime Minister Jacinda Ardern during the post-Cabinet press conference with Director General of Health Dr Ashley Bloomfield in Wellington, New Zealand, Monday May 11, 2020. Ardern on Monday announced a plan to re-open the economy and the nation’s s
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern macht Werbung für Urlaub im eigenen Land
© AP, Mark Mitchell

Wie das aussehen könnte, zeigt die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. In einem Facebook-Live-Video wirbt sie für den Tourismus im eigenen "Garten". In Neuseeland, das wirtschaftlich stark von den jährlich vier Millionen Touristen abhängig ist, haben die Infektionsraten bereits Anfang April ihren Höhepunkt erreicht, nachdem Ardern am 19. März die Grenzen schließen ließ. Seither fällt die Kurve. Jetzt will sie der Gastronomie und Tourismusbranche unter die Arme greifen, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Inlandstourismus zu fördern. Damit Neuseeländer mehr verreisen können, schlägt sie Arbeitgebern vor, eine viertägige Arbeitswoche in Betracht zu ziehen.

Viele Leute hätten Ardern das vorgeschlagen. "Wir haben so viel über Covid und die Flexibilität der Menschen gelernt, die im Homeoffice arbeiten und wie es die Produktivität steigern kann", sagt die Regierungschefin. Letztendlich läge die Entscheidung zwar bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern. "Ich würde die Leute, die Arbeitgeber sind und denen es möglich ist, wirklich dazu ermutigen darüber nachzudenken", sagt Ardern weiter. "Überlegen Sie, ob dies für Ihren Arbeitsplatz geeignet ist, da es sicherlich dem Tourismus im ganzen Land helfen würde." Für den Vorschlag bekommt sie zahlreiche positive Kommentare unter dem Video.

Ein zusätzlicher Feiertag für den Tourismus?

Auch in Großbritannien macht man sich Sorgen um die Tourismusbranche. Die Regierung erwägt deshalb in diesem Jahr einen zusätzlichen Feiertag in den britischen Kalender aufzunehmen, berichtet der "Guardian". Der soll im Oktober um die Schulferien sein. Die Idee kommt von der Tourismusagentur "VisitBritain". Damit solle die Saison verlängert und entgangene Einnahmen aus zwei Feiertagswochenenden im Mai ausgeglichen werden, die wegen Corona ausblieben. Die Regierung unterstütze "die Tourismusbranche in dieser herausfordernden Zeit". Ein Sprecher fügt aber hinzu: "Es ist erwähnenswert, dass ein zusätzlicher Feiertag mit wirtschaftlichen Kosten verbunden ist."

Bulgarien verteilt Urlaubsgutscheine

Einen andere Idee kommt aus Bulgarien. Weil das Land auf Flüge von Feriengästen aus West- und Mitteleuropa angewiesen ist, setzt die Regierung zunächst auf heimische Touristen. Für diese soll es Gutscheine für den Urlaub im eigenen Land geben. Damit kurbeln sie die Wirtschaft bereits im Juni wieder an. Eine ähnliche Idee hatte auch CSU-Chef Markus Söder. Mit finanziellen Anreizen in den Sommermonaten könnte man "ein Stück Entlastung für die Branche, aber auch Freude für die Menschen bringen", sagte er am vergangenen Montag. Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit - er sei da relativ offen.

Buchungen in Deutschland nehmen zu

20.05.2020, Schleswig-Holstein, Haffkrug: Etliche Strandutensilien stehen vor einem belegten Strandkorb am Strand an der Ostsee. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ostseestrand bei Haffkrug in Schleswig-Holstein
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo cul

Mittlerweile können Restaurants nach der Zwangspause zumindest in Teilen wieder öffnen. Doch der Auftakt läuft durchwachsen: Zwar habe es in den ersten Tagen an dem sonnigen Wochenende viele Menschen nach draußen gezogen, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Ingrid Hartges. Vor allem die Außengastronomie habe davon profitiert. Aber selbst dort, wo der Andrang groß ist, können Wirte wegen der Abstandsgebote längst nicht dieselben Einnahmen erzielen wie im Vorjahr.

Hoffnung macht zumindest die Reiselust der Deutschen: "Seitdem die deutschen Ferienregionen wieder verfügbar sind, sehen wir eine große Nachfrage an den Küsten und Bergen", sagt ein Tui-Sprecher. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern seien einige Termine um die Maifeiertage sowie die Hochsommerwochen bereits ausgebucht. "Das gilt vor allem für die Nord- und Ostsee, aber auch die Alpen und Mittelgebirge ziehen an", berichtet DER Touristik. Campingplatzbetreiber aus Nordrhein-Westfalen berichteten von einem ungewöhnlichen Ansturm für das anstehende lange Himmelfahrts-Wochenende. Die Plätze seien landesweit so gut wie ausgebucht. Auch für die Sommerferien gebe es schon ungewöhnlich viele Buchungen.

Urlaub und Corona: Buchungen gleichen Einbrüche nicht aus

Doch erhöhte Buchungsanfragen im Mai und zur Hochsaison im Juli und August reichen allein nicht um die Umsatzeinbrüche der vergangenen Monate aufzufangen. Auch in den darauffolgenden Monaten braucht Deutschland volle Hotelzimmer und Restaurants. Andere Länder könnten ein Vorbild für Deutschland sein, denn die Hilfe wird benötigt: Rund 70.000 Betriebe stehen am Rande der Pleite, prophezeit der Branchenverband Dehoga.