Neben dem Job noch kellnern oder putzen - für viele Alltag

Nicht nur ein Job: Zahl der Multijobber nimmt zu

Wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht, sind Menschen auf einen Zweit- oder sogar Dritt-Job angewiesen. In Deutschland arbeiten mehr als 3,5 Millionen Menschen in mehreren Jobs.
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21. Januar 2020 - 13:54 Uhr

Mehr als 3,5 Millionen Deutsche haben mehrere Jobs

Ein ganz normaler Acht-Stunden-Tag und dann noch kellnern, putzen oder Zeitung austragen? Für viele Menschen in Deutschland ist das bitterer Alltag, denn eine Arbeitsstelle allein reicht oft nicht mehr aus, um über die Runden zu kommen. Mittlerweile sind davon mehr als 3,5 Millionen Deutsche betroffen.

Sabine Zimmermann (Linke): "Aus purer finanzieller Not mehr als einen Job"

Ende Juni 2019 gab es – so Zahlen der Bundesagentur für Arbeit - bundesweit 3,538 Millionen Multi-Jobber. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Das waren 3,62 Prozent mehr als Ende Juni 2018, als noch 3,414 Millionen Menschen mehrere Jobs zugleich hatten. Im Jahr 2004 hatte es nur 1,86 Millionen Mehrfachbeschäftigte gegeben.

Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesagentur auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann. Demnach hatten fast drei Millionen Menschen neben einem regulären Job noch eine geringfügige Beschäftigung. 345.440 Menschen gingen zwei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen nach. Dritthäufigste Variante war die Kombination von zwei oder mehr sogenannten Minijobs. Dies galt für 260.666 Fälle.

"Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus", sagte Zimmermann der Zeitung. Der überwiegende Teil der Mehrfachbeschäftigten dürfte nach ihrer Einschätzung "aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig". Als Maßnahme gegen die Entwicklung forderte Zimmermann, den Mindestlohn "in einem ersten Schritt" auf zwölf Euro die Stunde zu erhöhen. Derzeit beträgt der Mindestlohn 9,35 Euro pro Stunde.

Arbeitsminister Heil: "Es gibt Bereiche, da muss uns das mit Sorge umtreiben"

21.01.2020, Berlin: Frank Bsirske (l-r), ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, Hubertus Heil (SPD), Bundesarbeitsminister, Janina Kugel, Vorstandsmitglied und Leiterin des Personalwesens der Siemens AG, und Sabine Pfeiffer, Professorin für
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil
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Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat sich besorgt über den Anstieg von Mehrfachbeschäftigung in Deutschland gezeigt. "Nicht jede Form von Nebenbeschäftigung ist schon ein sozialer Skandal, aber es gibt Bereiche, da muss uns das mit Sorge umtreiben", sagte Heil. Es gebe Fälle, bei denen ein Arbeitsplatz nicht mehr zum Leben reiche. "Tatsache ist: Wir haben nach wie vor in Deutschland einen sehr festen Sockel von Niedriglöhnen, und darüber müssen wir reden", sagte Heil. Es gebe aber auch Situationen, in denen Menschen gern einen Nebenjob machen.