Rassismus Deutschland

Nicht nur ein amerikanisches Problem: Alltagsrassismus auch in Deutschland

08. Juni 2020 - 17:28 Uhr

„Ich arbeite in der Altenpflege, manchmal sagt jemand 'Neger' “

Die ganze Welt schaut auf die Proteste in den USA nach dem Tod von George Floyd infolge rassistischer Polizeigewalt. Tausende Menschen haben in sozialen Netzwerken ihre Solidarität mit der Protestbewegung "Black Lives Matter" zum Ausdruck gebracht. Aber so traurig es ist: Auch hier bei uns in Deutschland herrscht im 21.Jahundert nach wie vor Rassismus. Jonathan erfährt es oft genug: "Ich arbeite in der Altenpflege, manchmal sagt jemand 'Neger'.", berichtet er. Und Jonathan ist nicht der Einzige, der solche Erfahrungen machen muss.

Im Video erzählen betroffene Menschen aus Deutschland, die mit Alltagsrassismus zu kämpfen haben.

„Wir gehören hier nicht dazu“

Karamba Diaby ist ein deutscher Politiker und seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags, wo er der SPD-Fraktion angehört. Doch auch für ihn ist das Leben in Deutschland nicht immer einfach: Diaby ist im Senegal geboren und musste jüngst rassistische Anfeindungen über sich ergehen lassen. Weil er sich zum Jahrestag des Mordes an den früheren Politiker Walter Lübcke äußerte, erhielt er auf Twitter eine rechte Botschaft: "Wir gehören nicht hier dazu, ich solle meine Aufgaben im Senegal erledigen. Das ist armselig, wenn jemand versucht dazustellen, wer gehört zu Deutschland, wer gehört nicht zu Deutschland", so Diaby. Er erlebe den Rassismus vor allem in den sozialen Netzwerken. "Die Menschen, die solche Dinge schreiben, die sind zwar laut und präsent, aber die sind nicht die Mehrheit in diesem Land" – und genau das muss auch so bleiben.

Die Situation kennt auch Aminata Touré. Sie wurde 2019 als erste schwarze Frau Landtagsvizepräsidentin in Schleswig-Holstein. Für sie sei es wichtig, dass Zivilcourage gezeigt werde: "Zuzuhören und sich dann die Frage stellen, kann ich auch mal in bestimmten Situationen eingreifen, also nicht zuzusehen, wenn rassistisch gesprochen wird oder jemand rassistisch attackiert wird, sondern einzuschreiten". Noch am Dienstag setzten Tausende von Menschen ein Zeichen: Mit dem Hashtag "blackouttuesday" posteten Nutzer ein schwarzes Quadrat gegen Rassismus – ein wichtiges Zeichen, aber für echtes Engagement brauche es mehr Mut, so Traoré: "Es reicht nicht nur zu sagen: Ich teile jetzt mal dieses Bild und dann ist Rassismus in unserer Gesellschaft bekämpft, es braucht mehr als das, wir müssen gerade nach diesen Ereignissen weiter an diesem Thema arbeiten und uns weiter positionieren".

Demos am Samstag

In vielen Städten Deutschlands wird es am Samstag sogenannte Silent-Demos geben. Dabei gehe es um Anti-Schwarzen-Rassismus und an das Gedenken an den ums Leben gekommenen George Floyd. Es soll gemeinsam ein Zeichen gesetzt werden, denn Diskriminierung, soziale und ökonomische Ausgrenzung sowie körperliche Angriffe bis hin zum Mord von Menschen mit dunkelhäutiger Hautfarbe sind nach wie vor ein globales Problem.

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