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New York: Spektakulärer Prozess gegen Drogenboss "El Chapo" startet

New York: Spektakulärer Prozess gegen Drogenboss "El Chapo" startet

Er ließ Hunderte Menschen angreifen, entführen und ermorden

Es ist einer der größten Drogenprozesse überhaupt: In New York muss sich der berüchtigte mexikanische Drogenboss Joaquín Guzmán, auch "El Chapo" genannt, ab dem 5. November vor Gericht verantworten. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Jahrelang war er Kopf eines Kartells, das Geld mit Drogenschmuggel und anderen krummen Geschäften verdient. In dieser Zeit ließ "El Chapo" wahrscheinlich Hunderte Menschen ermorden, angreifen und entführen.

New Yorker Hochsicherheitsgefängnis schlimmer als Guantánamo

Die unabhängige "Chicago Crime Commission" hatte ihn 2013 zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt - ein Titel, den zuvor nur Gangsterboss Al Capone bekam. Die Behörden hatten Guzmán schon mehrmals verhaftet. Doch ihm gelang es immer wieder aus dem Gefängnis auszubrechen. 2016 schnappten die Ermittler ihn dann erneut und lieferten ihn im Januar 2017 an die USA aus.

Dort sitzt der 61-Jährige seitdem in einer Untersuchungszelle. Die New Yorker Behörden haben ihn in einem Hochsicherheitsgefängnis im Süden von Manhattan untergebracht. Die Haftanstalt ist berüchtigt – sie soll härter sein, als das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba.

Die meiste Zeit muss Guzmán in einer fensterlosen 15 Quadratmeter großen Zelle ausharren. Nur unter der Woche darf er täglich eine Stunde herauskommen, um ein Laufband oder einen Fahrradtrainer zu benutzen. Seine Frau Emma Coronel und die gemeinsamen Zwillingstöchter sieht er nur im Gerichtssaal. Seine Anwälte warnten, dass er von diesen Zuständen Depressionen und Halluzinationen bekäme.

Geschworene bleiben zu ihrem eigenen Schutz geheim

Das Sinaloa-Syndikat, dessen Kopf "El Chapo" war, zählt laut Drogenbehörde DEA schon lange zu den Hauptlieferanten illegaler Drogen in die USA. Der Drogenkrieg geht zwar auch nach Guzmáns Verhaftung ungehindert weiter und das Kartell schleust weiterhin Marihuana, Schlafmohn zur Heroinproduktion und Kokain aus Kolumbien über die Grenze in die Vereinigten Staaten. "El Chapo" ist aber eine Art Jagdtrophäe im Kampf gegen den Drogenschmuggel.

Alle Prozessbeteiligten müssen eine überwältigende Menge an Unterlagen und Beweismaterial sichten. Zwölf Geschworene sollen über den 61-Jährigen urteilen. Ihre Namen und ihre Gesichter sind streng geheim, sie werden komplett von der Presse und der Öffentlichkeit abgeschirmt. Zu groß ist die Angst vor Racheakten des Kartells.

Am 5. November wir die Jury offiziell gewählt, in der Woche darauf folgen die Eröffnungsplädoyers. Der ganze Prozess könnte sich drei bis vier Monate hinziehen. Im Falle einer Verurteilung droht dem Drogenboss eine lebenslange Haftstrafe. Bei seiner Auslieferung hatten sich Mexiko und die USA darauf verständigt, dass er nicht die Todesstrafe erhält.