"New York gleicht einer Geisterstadt" – Blizzard 'Juno' legt US-Ostküste lahm

27. Januar 2015 - 19:33 Uhr

Aufatmen in New York: Blizzard-Warnung aufgehoben

Die Unwetterfront 'Juno' hat die Ostküste der USA lahmgelegt. Fahrverbote sorgten in der Weltmetropole New York für eine ungewöhnliche Nachtruhe. Zwar hatte der Schnee zwischenzeitlich eine Pause eingelegt, Meteorologen sagten jedoch weitere Niederschläge voraus. Angekündigt ist der erste gewaltige Blizzard dieses Winters, ein "womöglich historischer" Schneesturm, der "lebensbedrohliche" Ausmaße annehmen könnte, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte.

Blizzard 'Juno' legt US-Ostküste Leben lahm
Das öffentliche Leben an der US-Ostküste steht weitgehend still.
© Paul Martinka / Splash News

'Juno' könne bis zu 90 Zentimeter Neuschnee, heftige Windböen, großflächige Stromausfälle und gewaltige Verkehrsbehinderungen bringen. Betroffen sind bis zu 60 Millionen Menschen unter anderem in den Bundesstaaten Connecticut, Massachusetts, Pennsylvania und New Jersey. In Boston und anderen Städten an der Ostküste dürfen Fahrzeuge nur noch im Notfall auf die Straße. Busse und U-Bahnen fahren nicht, das öffentliche Leben ist fast zum Erliegen gekommen. Die gesamte nördliche Hälfte ist eingeschneit, wenn auch bei zumeist milden Temperaturen knapp unter null Grad. Fast 8.000 Flüge wurden abgesagt. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen. Auch viele Unternehmen gaben ihren Angestellten einen freien Tag. Selbst die legendäre Metropolitan Opera sagte eine Aufführung mit Sängerin Anna Netrebko ab. Hilfsorganisationen waren bemüht, Obdachlose in sichere Unterkünfte zu bringen.

"New York gleicht einer Geisterstadt", berichtete RTL-Reporterin Sandra Lange aus der US-Metropole, wo für die Nacht ein Fahrverbot galt. Es waren "nur noch Rettungs- oder Räumfahrzeuge auf den Straßen erlaubt", schilderte sie weiter. "Wer sich nicht dran hält, riskiert eine 300-Dollar-Strafe oder sogar Gefängnis." Diese Maßnahme diente der Sicherheit, nachdem beim letzten großen Schneesturm in New York Menschen in ihren Autos erfroren seien. Inzwischen wurde das Fahrverbot nach neun Stunden wieder außer Kraft gesetzt. Nachdem viel Schnee fiel, die befürchteten Sturmböen aber ausblieben, wurde die Blizzard-Warnung für New York aufgehoben. Möglich sei aber immer noch ein Wintersturm. Zu einem Blizzard wird ein solcher Wintersturm hochgestuft, wenn er für mindestens drei Stunden stärker als 56 Kilometer in der Stunde weht.

Tote oder Schwerverletzte gab es durch 'Juno' nach ersten Erkenntnissen nicht. Allerdings starb ein Junge beim Rodeln auf Long Island. Mehrere Jugendliche waren auf aufgepumpten Schläuchen aus Autoreifen einen Hang heruntergejagt, dabei stieß der 17-Jährige gegen einen Laternenpfahl. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte konnten ihn aber nicht mehr retten.

Auch Flüge aus Deutschland in die USA gestrichen

Wegen der Unwetterfront sind auch einige Flüge aus Deutschland an die Ostküste der USA gestrichen worden. Am größten deutschen Flughafen wurden fünf Verbindungen annulliert, wie eine Sprecherin des Betreibers berichtete. Lufthansa teilte mit, dass bereits am Montag ein Flug von München nach Newark bei New York gestrichen worden sei. Für heute seien vier weitere Verbindungen von deutschen Flughäfen in die USA abgesagt worden. Betroffen seien davon rund 1.500 Passagiere.

Das Wetter legte sogar die Vereinten Nationen lahm. Das UN-Hauptquartier am East River sollte heute nicht öffnen. Betroffen waren nicht nur Tausende UN-Angestellte und viele Touristen. Auch die Gedenkveranstaltung mit Israels Präsident Reuven Rivlin zur Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 70 Jahren wurde um einen Tag verschoben. In Massachusetts machte 'Juno' auch vor der Justiz nicht halt. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter vom Boston-Marathon verzögerte sich die Auswahl der Geschworenen wegen des Winterwetters. Sie werde heute nicht wie geplant fortgesetzt werden, sagte eine Gerichtssprecherin. Bei dem islamistischen Terroranschlag waren 2013 drei Menschen getötet und 260 verletzt worden. Selbst die Gesetzgebung in Washington war betroffen. Das Repräsentantenhaus verschob eine Reihe von Abstimmungen aus Sorge, dass Abgeordnete wegen des Wetters nicht rechtzeitig aus ihren Heimatbezirken in die Hauptstadt reisen könnten. Eigentlich hätte es über eine Reihe von Maßnahmen gegen Menschenhandel abstimmen sollen.