Neustart für Griechenland? Banken öffnen – Steuern steigen

Bankenöffnung "wichtiges psychologisches Zeichen"

Seit acht Uhr haben die Banken in Griechenland nach der dreiwöchigen Pause wieder geöffnet. "Das ist ein erster Schritt Richtung Normalität", berichtet RTL-Reporter Carsten Lueb aus Athen. Ab heute kommen auf die Griechen aber auch neue Belastungen zu: Vor allem die Lebensmittelpreise sind deutlich gestiegen.

Griechenland Bankenöffnung
Vor einigen Banken in Athen bildeten sich Schlangen. Das große Chaos blieb aber aus.
REUTERS, STRINGER

Sowohl am Schalter als auch am Automaten können griechische Kunden diese Woche gebündelt 300 Euro abheben, falls sie die Tage zuvor kein Geld geholt haben. Kommende Woche soll der Betrag auf 420 Euro steigen. Außerdem können die Bank-Safes wieder ohne Einschränkungen genutzt werden. Dass die Banken wieder geöffnet sind, ist ein "wichtiges psychologisches Zeichen, dass das schlimmste der Krise überwunden ist und dass es jetzt eben langsam bergauf gehen kann", sagt Lueb. Die Erleichterung ist bei vielen Griechen spürbar. "Es ist gut, dass wieder offen ist. Ich kann meine Rechnungen wieder bezahlen", sagt ein Mann. "Diese Höchstgrenze ist nicht besonders schön, aber wir sind optimistisch", erzählt ein anderer.

Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen wurde das höchste Zeit. "Händler und Restaurantbesitzer, die sehr viel Bargeld hatten, können das endlich auf ihr Konto einzahlen und davon etwa wieder ihre Lieferanten bezahlen", so Lueb. "Man hat schon gesehen, dass es vielen Unternehmen schlecht ging. Noch ein bis zwei Wochen länger und ich weiß nicht, wie viele Unternehmen hätten schließen müssen", sagt Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Er fordert, dass auch die Kapitalverkehrskontrollen, vor allem für die Wirtschaft, wieder aufgehoben werden. Zum Beispiel ist es derzeit nicht möglich, Geld ins Ausland zu überweisen. Griechische Kreditkarten funktionieren zwar wieder im Ausland, allerdings nur beim Einkaufen. Abheben vom Automaten ist weiterhin nicht möglich.

Griechenland soll fälliges Geld überwiesen haben

Im Alltag werden ab heute aber auch die Einschnitte spürbar. Die Mehrwertsteuer für viele Produkte und Dienstleistungen wurde deutlich erhöht - eine der Forderungen der Geldgeber für ein neues Hilfsprogramm. Die Mehrwertsteuer für Lebensmittel steigt von bisher 13 auf 23 Prozent. Auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder das Feierabendbier in der Taverne werden teurer. Der Staat soll so bis zum Jahresende 800 Millionen Euro zusätzlich einnehmen, wie die griechische Finanzpresse schätzte.

Bei einer Volksabstimmung vor zwei Wochen hatten 61 Prozent der Griechen gegen Sparvorgaben der Gläubiger gestimmt. Eine Woche später einigte sich der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Europartnern bei einem Sondergipfel in Brüssel nach langen Verhandlungen auf die Bedingungen für das dritte Hilfspaket. Im Gegenzug für neue Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM muss Athen die Reform- und Sparauflagen erfüllen.

Inzwischen soll das mit 313 Milliarden Euro verschuldete Land seine fällige Rate an die Europäische Zentralbank EZB und den Internationalen Währungsfonds IWF überwiesen haben, wie es aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen hieß. Es handele sich um rund 4,2 Milliarden Euro für die EZB sowie rund zwei Milliarden Euro für den IWF. Diese IWF-Tilgungsrate hätte eigentlich Anfang des Monats bezahlt werden müssen. Am Mittwoch muss das Parlament weitere Reformgesetze beschließen. So sollen Gerichtsverfahren beschleunigt und die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken umgesetzt werden.