Premierministerin Jacinda Ardern findet die richtigen Worte

Neuseeland soll den Christchurch-Killer vergessen: "Er verdient völlige Stille auf Lebenszeit"

27. August 2020 - 17:30 Uhr

"Ich hoffe, Sie haben während dieses ganzen Prozesses die Arme Neuseelands um sich herum gespürt"

Neuseeland atmet auf: Der Massenmörder von Christchurch wird das Gefängnis nicht mehr verlassen. Und wieder einmal findet Jacinda Ardern, die Premierministerin des kleinen Landes, die richtigen Worte. Einfühlsam, empathisch. "Ich hoffe, heute ist der letzte Tag, an dem wir Anlass haben, den Namen des dahinter stehenden Terroristen zu hören oder auszusprechen. Er verdient völlige Stille auf Lebenszeit", so die 40-jährige nach der Verkündung des Urteils. RTL.de berücksichtigt diesen Wunsch und vermeidet nach Möglichkeit die Namensnennung des Killers. Im Video sehen Sie, wie Betroffene mit dem Urteil umgehen.

Den Namen des Mörders sprach sie nie aus

Erneut wandte sich Ardern an die Angehörigen der Opfer des Blutbades. Sie hätten die schrecklichen Ereignisse noch einmal durchlebt, um zu berichten, was an diesem Tag geschehen sei und welchen Schmerz sie hinterlassen hätten, sagte Ardern. "Nichts wird Ihnen den Schmerz nehmen, aber ich hoffe, Sie haben während dieses ganzen Prozesses die Arme Neuseelands um sich herum gespürt."

Bereits unmittelbar nach dem furchtbaren Anschlag kümmerte sich Jacinda Ardern in vorbildlicher Weise um die Menschen in ihrem Land und insbesondere um die direkt Betroffenen. Über den feigen Attentäter sagte sie damals: "Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören."

Kleine Gesten, die den Menschen viel bedeuten

17.03.2019, Australien, Wellington: Jacinda Ardern (M), Premierministerin von Neuseeland, tröstet eine Frau während ihres Besuchs der Kilbirnie-Moschee. Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind mindestens 50 Menschen get
Jacinda Ardern (Mitte) tröstet eine Frau während ihres Besuchs einer Moschee. „Wir sind in Trauer vereint", sagte sie. Ardern trug ein Hidschab, wie ihn Musliminnen tragen.
© dpa, Uncredited, kde

Bei ihren Auftritten trug sie oft ein Hidschab, wie ihn Musliminnen tragen. Was bei anderen Politikern in ähnlicher Situation vielleicht aufgesetzt gewirkt hätte, war bei Jacinda Ardern stets authentisch und aufrichtig.

Auch abseits der Kameras und unbeobachtet von der Öffentlichkeit nahm sie sich viel Zeit für die Menschen, die ihren Beistand brauchten. "Das sind kleine Gesten, die für uns sehr viel bedeuten", erzählte es ein Mitglied der muslimischen Gemeinde. Gesten, die zeigen, dass Neuseeland von einer Frau regiert wird, die in erster Linie Mensch ist, nicht Politiker.

Video: Die Frau, die Neuseelands Wunden heilt