Neuroblastom bei Kindern: Was steckt wirklich hinter dieser Krankheit?

23. November 2016 - 15:49 Uhr

Was ist ein Neuroblastom?

Neuroblastome sind bösartige Tumore, von denen besonders häufig Kinder betroffen sind. Sie greifen einen Teil des Nervensystem an und zwar den, der die unwillkürlichen Funktionen wie Herz- und Kreislauf, Darm- und Blasentätigkeit steuert. Wir erklären Ihnen alles Wichtige zu dieser Krankheit.

Wer ist davon betroffen?

Neuroblastome machen etwa sieben Prozent aller Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Sie sind nach den Tumoren des Zentralnervensystem‎s (ZNS-Tumor‎en, Hirntumoren) die häufigsten soliden Tumoren. In Deutschland erkranken nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters (Mainz) jährlich etwa 130 Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 14. Lebensjahr neu an einem Neuroblastom. Damit ist pro Jahr etwa eines von 100.000 Kindern unter 15 Jahren von dieser Krankheit betroffen.

Da Neuroblastome embryonal‎e Tumoren sind, kommen sie vor allem im frühen Kindesalter vor: Neunzig Prozent der Patienten sind jünger als sechs Jahre. Am häufigsten betroffen sind, mit etwa vierzig Prozent, Neugeborene und Säuglinge im ersten Lebensjahr. Jungen erkranken etwas häufiger als Mädchen. Ein Neuroblastom kann aber auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und im Einzelfall sogar bei Erwachsenen vorkommen.

Woran erkenne ich ein Neuroblastom bei meinem Kind?

Das Heimtückische: Konkrete Krankheitszeichen für Neuroblastome gibt es nicht. Die bösartigen Krebsgeschwüre werden meistens zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Routine-Untersuchung beim Kinderarzt.

Beschwerden treten erst relativ spät auf. Wenn der Tumor schon über längere Zeit gewachsen ist, wird er früher oder später so groß, dass man ihn bemerken kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Tumore streuen und sich 'Tochter-Geschwülste' (Metastasen) bilden. Solche Gewebe sind dann tastbar und können erste Hinweise für ein Neuroblastom sein.

Diese Symptome können etwa in Form einer Schwellung am Bauch oder Hals auftreten und dort weitere Beschwerden verursachen: Sitzt das Krebsgewebe beispielsweise im Bauchraum/Nebenniere, kann es auf den Harnleiter drücken und einen Harnstau verursachen. Ein Tumor im Brustraum kann dagegen auf die Lunge wirken und Atemnot auslösen. Und Geschwüre in Wirbelsäulennähe können Nerven einengen und damit Lähmungserscheinungen hervorrufen.

In selteneren Fällen kann es durch ein Neuroblastom auch zu Bluthochdruck, anhaltendem Durchfall oder Augenverformungen kommen: Der Augapfel kann einsinken, so dass eine Pupille verkleinert wirkt. Auch Blutergüsse um die Augen herum, sogenannte Brillenhämatome, sind möglich.


Weitere mögliche Symptome:

- Müdigkeit, Lustlosigkeit, Schwäche, Blässe
- anhaltendes mäßiges Fieber, Schwitzen
- Knoten oder Schwellungen an Bauch oder Hals, Lymphknotenschwellungen
- aufgeblähter, großer Bauch
- Verstopfung oder Durchfall, Bauchkoliken
- Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen - einhergehend mit Gewichtsverlust
- Knochenschmerzen
- Bluthochdruck

Woher kommen Neuroblastome?

Der Ursprung der Neuroblastome ist nicht 100 Prozent geklärt. Was man weiß: Die Krankheit wird ausgelöst, wenn sich noch unreife Körperzellen bösartig verändern. Es kann sein, dass diese Fehlentwicklung schon vor der Geburt beginnt - möglicherweise als Folge von Chromosomen-Veränderungen und/oder Genveränderungen.

Die Chancen für eine Vererbung der Krankheit sind schwindend gering, nach aktuellem Forschungsstand sogar ausgeschlossen. Obwohl es Familien gibt (unter einem Prozent), bei denen Neuroblastone vermehrt auftreten.

Inwiefern äußere Faktoren (Umwelt, Stress der Eltern, Medikamente, Nikotin-/Alkoholkomsum während der Schwangerschaft) die Veranlagung zu Neuroblastonen fördern können, ist ebenfalls noch nicht erforscht.

So behandelt man ein Neuroblastom

Sobald der Kinderarzt ein Neuroblastom vermutet oder diagnostiziert‎, sollte der kleine Patient schnellstmöglich in eine kinderonkologische Behandlungseinrichtung überwiesen werden. Dort sind die Fachkräfte auf die Behandlung krebskranker Kinder spezialisiert und mit den modernsten Therapieverfahren vertraut.

Um weiteren Verlauf sind im Rahmen der Erstdiagnose umfangreiche Untersuchungen erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen. Von diesen Ergebnissen hängt die gesamte weitere Planung der Behandlung ab. Aber auch während der Therapie sind immer wieder Untersuchungen notwendig, um den Krankheitsverlauf zu beobachten.

Wie bei den meisten Krebs-Erkrankungen besteht die Behandlung eines Patienten mit Neuroblastom in der Regel aus einer Kombination von Operation‎ und Chemotherapie‎. Wenn nach dieser Behandlung noch aktives Tumorgewebe vorhanden ist, kann sich daran noch eine Bestrahlung‎ der Tumorregion anschließen.

Weitere Therapieverfahren werden ggf. ergänzend dazu eingesetzt. Möglich sind hier zum Beispiel die Behandlung mit radioaktiv‎ markiertem Methyljodbenzylguanidin (MIBG‎-Therapie). Welche der Therapiemöglichkeiten letztendlich in Frage kommen, hängt vor allem von der Ausdehnung und Operabilität‎ des Tumors, seinem Wachstumsverhalten sowie vom Alter des Patienten ab.

Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist und je größer das Risiko eines aggressiven Tumorwachstums oder auch eines Krankheitsrückfalles nach erfolgter Therapie ist, umso komplexer und intensiver wird letztlich die Therapie sein. Bei einem Teil der Patienten reicht allerdings zunächst auch die alleinige Beobachtung des Tumors aus - manchmal bildet sich der Tumor spontan von alleine zurück.