Laurent lernt im Super-Tempo

Laurent (9) steht kurz vor seinem Hochschul-Abschluss

© dpa, Annette Birschel, pil cul

12. November 2019 - 12:15 Uhr

Das Wunderkind aus den Niederlanden

Er ist neun Jahre alt und hat einen IQ von 145: Laurent aus Amsterdam hatte sein Abi mit acht Jahren in der Tasche. Schnell verglichen Medien ihn mit Größen wie Stephen Hawking oder Albert Einstein. Kein Wunder, denn die Karriere des kleinen Wuschelkopfs steht kurz vor einem weiteren Höhepunkt.​

Von der Schulbank zum Mikro-Chip

Ein Jahr nach seinem Abitur steht Laurent jetzt vor seiner Bachelor-Prüfung im Fach Elektrotechnik. Thema: Ein Mikro-Chip, der Reaktionen von Gehirnzellen messen kann. Sein Professor Peter Baltus von der Technischen Universität in Eindhoven kommt aus dem Stauen nicht heraus. Zwar sei er kluge Studenten gewöhnt "aber Laurent ist echt mindestens dreimal so klug". Das merkt man auch an seinem Lerntempo: Für Unterrichtsstoff, der von anderen Studenten in acht Wochen gelernt wird, braucht Laurent nur eine Woche. Dafür bekommt er Einzelunterricht und nimmt sich die Unterlagen zum Lernen mit nach Hause. Manchmal, erzählt Professor Baltus, merkt man Laurent sein junges Alter aber doch noch an. Zum Beispiel, als er im Labor ein Kabel nicht losdrehen konnte: "Er war einfach noch nicht stark genug."

Konsequenzen auch für die Familie

Schon früh hat der Kleine ein großes Interesse für Technik und Naturwissenschaften, mit Sprachen kann er relativ wenig anfangen. Durch sein Wissen über den Klimawandel setzt er auch Zuhause einige Änderungen durch und stellt das Leben der Familie damit auf den Kopf. "Wir fahren jetzt ein elektrisches Auto und keinen alten Diesel mehr", sagt sein Vater Alexander und seufzt dabei ein wenig. Denn auch ins Ferienhaus nach Spanien fliegt die Famile längst nicht mehr so häufig wie früher. Und Laurent? Der sitzt daneben und sieht zufrieden aus: "Irgendwann wird es eine technische Lösung geben für den Klimawandel", da ist er sich sicher. Bei allem Wissen ist auffällig, wie vorsichtig der Kleine seine Worte wählt, denn er möchte nicht dass man ihn für altklug hält.

Zwischen Alltagsstress und "Kind sein"

Laurents Eltern haben ihre Arbeit als Zahnärzte für seine akademische Karriere erst einmal aufs Eis gelegt. Dreimal pro Woche fahren sie ihren Sohn von Amsterdam zur Universität nach Eindhoven - das sind rund zwei Stunden pro Strecke. Aktuell wird auch an einem individuellen Promotionsprogramm für Laurent geschneidert, das er vielleicht in Deutschland oder den USA absolvieren kann. Und dennoch, bei allem Lernen, den Lobeshymnen und den Vergleichen mit anderen Wissenschaftlern: In anderen Situationen ist Laurent wie andere Neunjährige auch – ein Junge, der mit seinen beiden Hunden Sammy und Joe spielt und Filme auf Netflix anschaut. "Und übers Essen mäkelt", stöhnt Mutter Lydia. "Gar nicht wahr", sagt er und grinst. "Ich esse alles, was Oma kocht".